Samstag 28.07.2007 bis Dienstag 31.07.2007

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Peking

Das Hotel in dem wir waehrend unseres Aufenthaltes in Peking wohnen haben wir vorher in Deutschland gebucht um einen sicheren Parkplatz fuer unser Auto zu haben. Jetzt , wo wir wissen, dass beinahe jedes Hotel einen be- wachten Parkplatz hat, wissen wir auch, dass unser Hotel zu teuer bezahlt ist. Aber es ist wirklich gut. Liegt unmit- telbar an den Hutongs in der Altstadt und nahe am Trommelturm und Glockenturm. Computer mit Internetzugang auf dem Zimmer. Am ersten Tag folgen wir einer Einladung des groessten Internetportals in China: Soho, in den Freizeitpark Pekings. Drei Achterbahnen, jede Menge anderer Attraktionen, ganz wie wir es in Deutschland kennen, wartet hier auf die Kinder der Pekinger. Der Nachmitteg fuehrt uns durch die Hutongs. Im Grunde haben wir diese Anlagen schon in Pinyau gesehen: Hinterhoefe mit einem Zugang zur Gasse. Allerdings arbeitet hier kein Faekalientraeger, es gibt oeffentliche Toaletten. An diesen Orten erledigt man sein Geschaeft und auch die Morgenwaesche. Einige dieser Orte sind schon sehr alt, andere gerade erst in Betrieb genommen. Natuerlich haben wir sehr schnell eine Stammkneipe. Sie gehoert einem Malaisier und seiner Frau, befindet sich direkt in den Hutongs und wird von Auslaendern wie Chinesen gerne besucht. Hier kann man gut essen, vor allem jede Art Currygerichte, und es gibt gute Musik. Wir sind sehr schnell mit dem Inhaberehepaar per du und sozusagen Stammgaeste. Die Hutongs hier in diesem ganzen Bereich werden nach und nach restauriert. Andere werden abgerissen um Platz fuer Neubauten zu schaffen. Das ist ein Zankapfel sowohl innerhalb Chinas als auch zwischen China und dem Aus- land.( BILD 1, 2. 3) Ich glaube, in Deutschland haette man solche Behausungen laengst abgeschafft, noch bevor es ueberhaupt Protest- bewegungen jeglicher Art gegeben haette. Die Pekinger Stadtregierung haelt unbeirrt an ihrer Politik fest, einen Teil der Hutongs im Stadtzentrum zu erhalten, den Rest abzureissen. Ich glaube, jeder der sich fuer den Erhalt der Hutongs einsetzt, sollte mal einen Tag lang durch die Gassen spatzieren und sich die Frage beantworten ob er selbst da wohnen moechte, seine Kinder morgens zum Waschen auf das oeffentliche Klo schicken, ich jedenfalls wuerde das nicht wollen. Und wie sieht es mit der Renovierung aus? Ich bin ueberzeugt, alleine um einen brauchbaren Kanal und Wasserver- sorgung in die Hutongs zu verlegen muesste man sie erst einmal abreissen. Was fuer einen Sinn sollte das machen? Den Abend verbringen wir wieder im Sambal, bei guter Musik und noch besserem Essen. Am folgenden Tag besuchen wir den Lama Tempel. Es ist viel los, gute Gelegenheit die Pekinger in der Ausuebung ihrer Religion zu beobachten. Man geht in den Tempel, vollfuehrt einige rituelle Handlungen mit Raeu- cherstaebchen und Niederwerfungen, verbrennt pappiergeld, das man vorher gekauft hat und wirft Geldstuecke in Brunnen und auf Figuren obwohl dies verboten ist. Keine besondere Kleidung, kein besonderes Verhalten. Es wird dabei erzaehlt, fotografiert, gelacht, es fehlt die Ernsthaftigkeit und Stille die in unseren Kirchen herrscht.( BILD 4,5) Im Anschluß besuchen wir noch eine Konfuziusgedenkstaette. Hier wird gerade renoviert, wahrscheinlich wegen des zu erwartenden Besucheransturmes im Olympiajahr 2008. Die ganze Anlage ist wesentlich nuechterner als die bud- dhistischen oder taoistischen Tempel.( BILD 6) Natuerlich machen wir einen Abstecher zum Olympiestadion. Es ist noch nicht ganz fertig, aber die gewagte Archi- tektur beeindruckt schon heute viele Besucher und Neugierige. (BILD 7 ) Am spaeten Nachmittag erhalten wir einen Anruf der Stadtregierung Pekings, dass uns fuer den morgigen Tag ein Treffen mit dem zustaendigen Direktor fuer Aussenbeziehungen Liu Yang anbietet, natuerlich sagen wir zu. Der Termin ist um 10 Uhr, wir fahren aber schon um 8:30 los, wir wollen kein Risiko eingehen auf jeden Fall rechtzeitig dort anzukommen. Probleme gibt es als wir auf das Gelaende der Stadtregierung fahren wollen. Die Polizisten, allesamt noch sehr jung, lassen uns nicht durch, und auch Herr Le, Sekretaer von Herrn Liu kann nur erreichen, dass wir eine halbe Stunde vor dem Termin auf das Gelaende gelassen werden. Dann geht es sehr offiziell zu. Genauso, wie man solche Termine vom Fernsehen her gewohnt ist. Eine Reihe wech- selweise aus Sessel und Beistelltisch, eine Dolmetscherin diskret hinter Herrn Liu, ein Protokollfuehrer links neben ihm. Auf der anderen Seite zuerst ich, dann Guenter. Wir sprechen ueber unsere Reise, unsere Ambitionen und Erfahrungen in China und Zentralasien. Spaeter wird es etwas lockerer, Herr Liu erzaehlt von seinem letzten Besuch in Koeln, und dass er leider nie die Gelegenheit hatte so eine Reise wie wir sie jetzt unternehmen zu machen.( BILD 8,9) Dann erzaehlt Guenter von unserer Ausstellung ueber die Stadt Koeln, die wir nach der Olympiade hier in Peking durchfuehren wollen und er sagt uns spontan jede Hilfe dafuer zu sowie die Bereitschaft der Stadt Peking als Mitver- anstalter sufzutreten. Das ist natuerlich schon sehr gut. Herr Liu gibt uns seine Karte und eine Adresse unter der wir jede notwendige Hilfe fuer die Fortsetzung unserer Reise in China und die Durchfuehrung unserer Ausstellung er- halten wuerden. Die halbe Stunde ist schnell vorueber. Herr Li teilt uns noch mit, dass am naechsten Morgen die Presse und das Fernsehen in unser Hotel kommen, eine kleine Pressekonferenz sozusagen. Das sind natuerlich gute Nachrichten. Am Nachmittag besichtigen wir das Wahrzeichen Pekings, den Sommerpalast. Hier fuehrte der Kaiser einmal Jaehrlich bestimmte rituelle Handlungen durch, um damit eine ertragreiche Ernte der Bauern zu ermoeglichen.( BILD 10, 11) Nach einem Gang ueber den Tian Anmen Platz und einen Bummel durch die Autosalons der Stadt machen wir uns auf den Weg in unsere Stammkneipe. ( BILD 12, 13) Am naechsten Morgen Pressetermin. Drei Zeitunegen und das Fernsehen der Stadt Peking interessieren sich fuer alles Moegliche unsere Reise betreffend. Wir vereinbaren mit dem Fernsehteam, dass wir morgen, am Tag unserer abfahrt, eine CD mit den Aufnahmen erhalten sollen. Die Ausstrahlung im Fernsehen koennen wir leider nicht mehr sehen, morgen ist Tag der Armee hier in Peking und da sind alle Termine schon seit langem belegt. Aber vielleicht haben wir Glueck und koennen noch vor unserer Abreise eine Ausgabe der Morgenpost kaufen, die auf jeden Fall Morgen einen kleinen Artikel ueber uns bringen wird. Am Nachmittag ein letzter Bummel durch die Stadt.( BILD 14, 15, 16 ) Der Abend ist schon verplant. Wir feiern Guenters Geburtstag in unserer Stammkneipe.

 

Mittwoch 01.08.2007


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Peking - Erlianghaote

Jetzt heisst es also Abschied nehmen von Peking. Cong wird uns noch bis an die Grenze zur Mongolei be- gleiten um uns bei den Grenzabfertigung in China zu helfen. Das wird aber erst morgen frueh geschehen, diesen Tag brauchen wir fuer die 700 Kilometer Anreise. Aber wir wollen auf jeden Fall noch ein bestimmtes Foto. Mao hat uns in Kashgar begruesst, von ihm wollen wir uns auch verabschieden. In Peking haengt er sehr schoen vor den Toren der verbotenen Stadt im Sueden des Tian Anmen Platzes. Da ist aber heute wegen des Tages der Armee viel Polizei und das Gelaende fuer Autos aller Art verboten. Was nun? Guenter nimmt unsere beiden Fotoaparate und geht schon mal 500 Meter vor. Dann gibt er mir ein Zeichen und ich fahre in de verbotenen Bereich hinein. Nicht zu schnell aber so, dass man mich nicht sofort anhalten kann. Natuerlich erklingt direkt die Trillerpfeife. Ichfahre weiter bis zu Guenter. Der muss mich noch in die richtige Position einwei- sen und bevor er das erste Foto schiesst sind drei Polizisten bei mir. Ich zoegere hinaus sie werden immer draengen- der. Schliesslich sehe ich Guenter weggehen und fahre dann unter 1000 Entschuldigungen aus dem Sicherheitsbe- reich. Dort nehme ich Guenter wieder auf und los geht die Fahrt. ( BILD1 ) 300 Kilometer Autobahn, 200 Kilometer Landstrasse und wieder erstklassige Autobahn aber voellig leer, bis auf einen LKW, der mir ausgerechnet als Geisterfahrer entgegen kommt. ( BILD 2 ) Erlianhaote ist ein typischer Grenzort.

 

Donnerstag 02.08.2007

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Erenhot - Grenze Mongolei - Wueste in Richtung Ulan Bator

Wir haben wieder Probleme an der Grenze. „Nein, wir koennen nicht einfach so mit unserem Auto an die Grenze fahren, wir muessen erst bestimmte Pappiere erledigen“, sagt Cong. Wir waren der Meinung, dass diese Pappiere laengst erledigt waeren. In unserem Programm steht, am 01.08. ueber die Grenze der Mongolei und nach Ulan ba- thor. „Nein, ganz unmoeglich“, sagt Cong. „Wer schreibt denn sowas? Hier gibt es eine Firma, die erst die Pappiere erle- digen muss.“ Die Firma heisst Sinotrans und ist die staatliche Transportfirma die sich um den Guetertraustausch mit dem Ausland beschaeftigt. In der Regel laeuft das wie in Kashgar, LKWs kommen aus China, und werden auf dem Zollhof der Firma Sinotrans abgeladen. Die Ware wird kontrolliert und mit anderen LKWs ueber die Grenze auf einen mongolischen Zollhof gefahren. Dort wird wieder abgeladen, kontrolliert, umgeladen und im Land verteilt. Es gibt also eine Flotte uralter, im Prinzip ausgedienter LKWs, die nichts anderes zu tun haben, als den Transport kontrollierter Handelsgueter einen Kilometer weit ueber einen speziellen Grenzuebergang zu uebernehmen. Allerdings gibt es hier auch so etwas wie einen kleinen Grenzverkehr. Mongolen duerfen mit ihren PKWs, in der Regel russische oder japanische Gelaendewagen fuer den Eigenbedarf im Grenzort auf der chinesischen Seite ein- kaufen. Das wird dann, wie man sehen kann, sehr grosszuegig ausgelegt. Auf Gepaecktraegern, Fahrradhaltern und auf dem Kofferaum der mongolischen Autos wird alles was sich daheim gut gebrauchen oder verkaufen laesst fest- gezurrt und ueber die Grenze geschafft. ( BILD 1 ) Ich weiss nicht, warum die Ausreise aus China laenger dauern soll als unsere Einreise in Kashgar. Damals haben wir doch immerhin in knapp einem Tag alles erledigt. Was wir jetzt erst erfahren: Cong hatte bereits drei Tage vor unse- rer Ankunft an der Grenze in Kashgar Pappiere erledigt. Es gab eine andere Gruppe aus Deutschland, die waehrend unserer Fahrt durch Zentralasien einige Gelaendewagen per Schiff nach Shanghai transportiert hat um von da aus nach Deutschland zu fahren. Die haben exakt auch vier Tage gebraucht um die Autos aus dem Zollhafen herauszubekommen. Als ich in China davon im Internet las, habe ich noch gedacht wir waren ja wirklich gut. Jetzt weiss ich, dass das nicht der Fall war. Genaugenommen hat unser Grenzuebertritt auch vier Tage gebraucht, nur dass wir selbst erst am vierten Tag auf der Bildflaeche erschienen sind. Jetzt wird auch klar, warum man vorsichtshalber unsere Aufenthaltserlaubnis mit dem Auto bis zum 08.08. anstatt wie von uns gefordert bis zum 02.08. beantragt hat. Reine Sicherheitsmassnahme. Allerdings haette man uns davon in Kenntnis setzen muessen. Dann waeren wir schon frueher in Richtung Mongolei aufgebrochen. Wir gingen davon aus, noch an diesem Freitag in Ulan Bator in der russischen Botschaft die Visa beantragen zu koennen. Das schaffen wir aber nicht mehr. Immerhin der Chinesische Zoll verzichtet auf jede Art der Kontrolle unseres Autos, damit wir noch ueber die Mongolische Grenze gelangen koennen. Es geht allses sehr schnell jetzt, auch der Abschied von Cong, mit dem Versprechen ueber das Internet in Kontakt zu bleiben. Dann in Richtung Mongolei. Die Paesse werden schnell abgestempelt, wir fahren vorueber an wartenden Autos, die mit allen erdenklichen Utensilien aus China in die Mongolei einreisen und darum vom Zoll kontrolliert werden. Wir haben nichts zu verzollen und duerfen daher weiterfahren hatte man uns gesagt. Es herrscht jetzt, am spaeten Nach- mittag scheinbar doch etwas Zeitdruck noch alle Fahrzeuge abfertigen zu koennen. Aber eine energische Trillerpfeife holt uns zurueck aus unseren Traeumen vom schnellen Grenzuebertritt. Eine Frau vom Zoll bittet uns auf Deutsch doch noch einmal anzuhalten. „Nein, wir haben nichts zu verzollen.“ erklaere ich, „Und was ist mit dem Auto? Haben sie die Einfuhrerklaerung beim Mongolischen Zoll beantragt?“ Nein, haben wir nicht, koennen wir aber gleich hier nachholen. „Oh, sorry, das geht nicht. Sie lassen das Auto hier, einer faehrt mit dem Zug oder Bus nach Uhlan Bathor zum Zoll, erledigen die Pappiere und kommt dann wieder hierher.“ Nein, diese Regelung ist uns nicht bekannt, wir haben alles was die Botschaft in Berlin gefordert hat erledigt, wir wollen jetzt weiter. „Die Botschaft ist eine Sache, der Zoll eine ganz andere“ erklaert sie und laesst uns nicht weiter. „ Gut, wir werde jetzt unser Dach hochklappen und hier, an Ort und Stelle uebernachten.“ Dann muesse sie die Polizei holen. Das macht mir nichts aus. Wir gehen mit der netten Dame zu ihrem Vorgesetzten. Ein bischen Gerede auf Mongolisch und ich hatte den Eindruck, der Vorgesetzte konnte ihrer Argumentation nicht so ganz folgen. Dann zeigt sie ihm und uns eine Zollerklaerung von 15 Autos, die an diesem Morgen im Konvoi die Grenze von China in die Mongolei ueberschrit- ten hatten. Es handelte sich um Fahrzeuge die einer deutschen Reisegruppe angehoeren. Die Gesellschaft fuehrt alljaehrlich weite Gruppenreisen mit Campingfahrzeugen durch. Die hatten eine solche Zollerklaerung, die man laut Botschaft der Mongolei in Berlin schon lange nicht mehr braucht. Ich halte mich jetzt einfach an die von der Botschaft in Berlin mitgeteilten Vorschriften. Zum guten Schluss ruft sie dann selbst beim Zoll in Ulan Bathor an. Was die dort sprechen, weiss ich natuerlich nicht. Ich nehme an sie hat erfahren, dass diese Pappiere nicht mehr aktuell sind. Um uns gegenueber das Gesicht nicht zu verlieren, setzt sie dann unser Auto einfach per Hand auf die sowieso ueberfluessige Zollerklaerung als letztes Fahrzeug. Uns gibt sie dann noch ihre Handynummer, falls wir beim Verlassen der Mongolei Aerger mit dem Zoll bekommen. Es ist bereits zu spaet um Ulan Bator noch zu erreichen. Von den 700 Kilometern sind mehr als die Haelfte Wuestenpiste. Das heisst: am Ende des Mongolischen Grenzortes hoert die ohnehin schlechte Asphaltstrasse auf und es beginnt eine Fahrspur, die sich sofort in viele Richtungen verzweigt, mehrere Spuren fuehren in die gleiche Rich- tung, nicht parallel, sondern sich immer wieder kreuzend schlaengeln sie sich dahin. Bei jedem Regen wird eine neue Fahrspur aufgemacht oder eine aeltere reaktiviert. Jeder kann im Prinzip fahren wo er will. Platz ist nicht das Pro- blem der Mongolei, auf einer Flaeche von 1,5 millionen Quadratkilometern, etwa vier bis fuenf mal so gross wie Deutschland tummeln sich nur rund 2,5 millionen Menschen. Da kann man sich solche Autobahnen leisten. Die Wueste ist tueckisch. Das wissen wir aus frueheren Durchquerungen. Der Himmel ist heute dicht bewoelkt, es wird schon sehr frueh dunkel, Blitze zucken am Horizont ueber den Himmel. Das laesst nichts gutes ahnen. Wir wissen schon lange nicht mehr, wo genau wir sind. Gefaehrlich wird es, wenn man bei einem Regenguss in einer Senke steht. Da koennen schnell grosse Flutwellen aus dem weiter entfernten Gebirgen durch die Wueste schiessen. Mit Stephans GPS gelingt es uns bergann zu fahren. Nicht viel aber auf den letzten 10 Kilometern etwa 20Meter in die Hoehe. Das reicht uns. Wir fahren einfach von der Fahrspur runter und bleiben ueber Nacht.

 

Freitag 03.08.2007

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Wueste - Ulan Bator

Ich schlafe nicht gut, traeume heftig. Es donnert die ganze Nacht ueber in der Ferne, ab und zu kommt auch ein leichter Schauer runter, aber wir bleiben von Schlimmeren verschont. (BILD 1a oder BILD 1b) Die Gobi ist hier keine Sandwueste, wie die Taklamakan, sonder der Untergrund besteht bestenfalls aus einer Art Kies. Von Zeit zu Zeit faehrt man aber ueber grosse Flaechen einer Tonartigen Erde. Bei Trockenheit laesst es sich hier ganz gut fahren. Aber der kleinste Regen verwandelt diesen Untergrund in eine Fahrbahn aus Schmierseife und wenn es staerker regnet bilden sich breite Matschloecher. Natürlich sind solche Stellen den einheimischen Fahrern bekannt. Bei Regenwetter umfahren sie diese Orte weiträumig. Aus der Ferne kann man nicht sehen ob sich ein Matschloch naehert, die Wueste ist einfach zu eben und flach. Ausserdem muss man sich auf die Fahrspur unmittel- bar vor dem Fahrzeug konzentrieren. Wenn aber Spuren nach rechts und links im stumpfen Winkel abbiegen sollte man darauf vorbereitet sein so ein Hindernis anzufahren. Hat es kuerzlich geregnet empfielt es sich mit einem PKW diesen Sumpf so weit wie moeglich zu umfahren, also der aeusserst rechten oder linken Spur zu folgen. Da es aber jetzt eher trocken ist fahre ich erst einmal naeher ran. Kein Problem fuer den Bulli, es steht zwar etwas Wasser auf dem Boden, aber die Spur ist schon von einigen LKWs gut ausgefahren. Leider reicht aber unsere Bodenfreiheit nicht ganz aus. Die LKW Reifen haben tiefere Spuren in den nun fast trockenen Schlamm gegraben als unser Bulli vertragen kann. Wir Schleifen mit dem Unterboden ueber den Schlamm und koennen gerade noch aus der Spur herausrutschen. Allerdings ist nun die frisch geschweisste Auspuff- halterung ganz abgerissen. Nachdem wir wieder vollstaendig trockenen Boden erreicht haben sehen wir uns den Schaden an. ( BILD 2 nicht textbezogen ) Der Auspuff ist zwar noch nicht abgerisen, aber wenn wir die Fehlende Halterung nicht ersetzen, wird das bei diesen Pisten sehr bald geschehen. Nach einigem hin und her entschliessen wir uns eine provisorische Halterung aus einem Spanngurt zu basteln. Das klappt. Der Auspuff ist zwar noch ein paar Dezibel lauter, aber er haelt fast besser als vorher mit der geschweissten Halterung. Wie orientiert man sich in der Wueste. Wir haetten der Eisenbahnlinie folgen koennen. Aber an den Seiten der Tras- se sammelt sich erfahrungsgemaess leicht das Wasser und macht zuegiges Fahren unmoeglich. Oft gibt es ueberirdische Stromleitungen oder Telefonkabel. Die muessen immer irgendwohinfuehren. Aber eben nicht automatisch in die 600 Kilometer entfernte Hauptstadt Ulan Bator. Unsere fuehrten in ein Bauarbeitercamp weit abseits in der Wueste. ( BILD 3 ) Wie fragt man nach dem Weg, wenn man kein Mongolisch kann? Man nimmt Chinesisch. Ich war natuerlich sehr erstaunt. Aber ebenso wie auf dem Pass von Kirgistan nach China sind hier auf dem Weg von China in die Mongolei Chinesische Ingenieure und Bauarbeiter dabei eine Strasse von der Chinesischen Grenze nach Ulan Bator zu bauen. Zwar fehlt uns Cong, aber nach dem Weg fragen kann ich auch. Der halbfertigen Trasse folgen. Diese endet nach 100 Kilometern. Von da an stecken alle 100 Meter rote Markierun- gen im Boden. Denen 30 Kilometer folgen. Dann nach Osten fahren und in 50 Kilometern trifft man auf einen Ort durch den die Eisenbahn faehrt. Der Bahn folgen nach 300 Kilometern beginnt die Strasse nach Ulan Bator. „Kriegst du das hin, ich meine navigatorisch.“ Frage ich Guenter. „Wenn dein Chinesisch das hergibt.“ Sagt er und beginnt ersteinmal die Angaben anhand der Karte zu ueberpruefen. „Kommt hin. Dann sind wir jetzt hier. Siehst du wir haetten gesten in der Nacht doch die rechte Spur nehmen sollen. Wie ich gesagt habe.“ Hat er aber nicht gesagt. Da bin ich ganz sicher. Oder doch fast ganz sicher. ( BILD 4 ) Es klappt alles sehr gut. Entlang der Eisenbahnlinie dann aber die erwarteten Szenen von LKWs die andere LKWs aus dem Schlamm ziehen und ein paar kleinere Verirrungen beim Weitraeumigen Umfahren der Schlammloecher. ( BILD 5 BILD 6 ) Dann endlich die letzten rund 200 Kilometer auf guter Strasse nach Ulan Bator. Insgesamt 11 Stunden fuer eine Strecke fuer die man 3 Tage einplanen sollte ist nicht schlecht, aber wir wissen, dass wir viel Glueck dabei gehabt haben.

 

Samstag 04.08.2007 bis Mittwoch 08.08.2007

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Ulan Bator

Ulan Bator liegt am Thul Fluss. Der schlaengelt sich aus seinem Quellgebiet zunaechst ein Stueck in Richtung Sue- den, aendert dann aber in einer ausladenden Biegung seine Richtung nach Norden um letztlich im russischen Baikal- see zu muenden. Sein Bett liegt in einem von hohen, bis ueber ihre runden Kuppen mit Steppengras oder Wald be- standen Huegeln, begrenztem Tal. Hier in der Biegung des Flusses wurde um ein buddhistisches Kloster herum die Stadt einst gegruendet. Als wir vor 14 Jahren zum ersten mal nach Ulan Bator reisten, gab es nur noch wenige Gebaeuden der urspruengli- chen Stadt. Nach der Revolution wurde im Zentrum ein weitraeumiger Platz, nach dem Muster des roten Platzes in Moskau oder des Tian Anmen in Peking, angelegt und viele der alten Gebaeude eingerissen. Auch in Ulan Bator wurde dem Staatsgruender, Suchbatar, mitten auf diesem zentralen Platz ein Mausoleum errichtet. Um den Platz herum standen repraesentative Verwaltungs- und Regierungsgebaeude, Hotells, Museen, ein Kaufhaus. Mit der Errichtung von Plattenbauten versuchte man der steigenden Nachfrage nach Wohnraum Herr zu werden. Ein Heizkraftwerk, das ueber ein System aus unansehnlichen Rohrleitungen die Haeuser mit warmen Wasser zum Wa- schen und Heizen versorgt stand am Rande der Stadt. Asphaltstrassen gab es damals nur im Zentrum. Bereits die Plattenbausiedlungen hatten keinen Anschluss an das Strassennetz sondern standen reichlich verloren einfach in der Landschaft. Autos gab es nur wenige. Alte russische Fahrzeuge, in der Regel Gelaendewagen, holperten ueber den schlechten, mit Schlagloechern uebersaehten Asphalt. Es gab eine Buslienie die durch Oberleitungen mit Strom versorgt wurde. Den aeussersten Ring um die Stadt bildeten Siedlungen in denen die Menschen in ihren Gers, der mongolischen Jurte, lebten. Jeder Ger stand in einem eigenen Hof, mit hohem Bretterzaun umgeben. Hof an Hof bildeten sie eine verwirrendes Geflecht aus Gassen, in denen man sich als Fremder schnell hoffnungslos verirren konnte. Diese Gers hatten weder Anschluss an ein Kanalsystem noch gab es fliessendes Wasser oder Strom. Alles in Allem war Ulan Bator eine typische sibirische Stadt. Vor 14 Jahren war der Del, das traditionelle Kleidungsstueck der Nomaden, in der Stadt noch haeufig zu sehen. Heute muss man dafuer bezahlen, einen Mongolen im Del fotografieren zu duerfen.( BILD 0 ) Vor dem Kaufhaus waren nicht selten Pferde angebunden, waehrend ihre Besitzer das Notwendigste in der Stadt einkauften. Der erste Blick den wir heute aus der Wueste kommend von Ulan Bator erhaschten war verstellt von Re- klameschildern beiderseits entlang der Strasse. Ich wuerde mal schaetzen 4*8 Meter gross. So dicht hintereinander, dass sie sich gerade nicht gegenseitig ueberdeckten.( BILD 1 ) Als Fahrer sollte man sich aber besser nicht auf diese Schilder, sondern auf die Fahrbahn unmittelbar vor dem Auto konzentrieren. Hier hat sich in den letzten 14 Jahren nicht viel getan. Die Strasse wird immer wieder von Schlagloch- feldern unterbrochen. Auch die Einheimischen erwischt es schon mal: der Fahrer eines Mitsubishi Kleinlasters hat nicht schnell genug reagiert. Das linke Vorderrad querab liegt er unter seinem Fahrzeug im Strassengraben und ver- sucht den Schaden abzuschaetzen. Wir haben mehr Glueck, verlieren nur unsere provisorische Auspuffbefestigung. Vom Stadtrand aus erkennt man schon dass Ulan Bator gewaltig gewachsen ist. Das alte Kraftwerk ehemals am Rande der Stadt liegt nun mitten in Ulan Bator und stoesst nach wie vor eine schwarze Russwolke in den blauen Himmel. ( BILD 2 ) Ein neues, groesseres und moderneres, steht jetzt am neuen Stadtrand. Die Gersiedlungen haben sich bis weit in die Huegellandschaft ausgebreitet, immer wieder aufgelockert durch neue Hochhauskomplexe. Je mehr man in Richtung Stadtzentrum faehrt, um so dichter wird der Autoverkehr. Nicht die alten Russischen Au- tos, sondern moderne neue japanische praegen das Strassenbild. Meist haben sie Rechtssteuerung, sind direkt aus Japan Importiert. Auffallend viele grosse Gelaendewagen befinden sich darunter, oft mit der Aufschrift eines Tou- runternehmens versehen. Uebrigens empfiehlt es sich auch auf der Hauptstrasse durch Ulan Bator die Augen auf die Fahrbahnoberflaeche zu richten, es tauchen nicht selten Kanaloeffnungen ohne Deckel auf. Im dichten Verkehr sollte man daher der Spur des Vordermanns folgen, in der Hoffnung er kennt diese kritischen Punkte. Reklame praegt das Bild der Innenstadt. Auf ueberdimensionalen Videowaenden mit Ton unterlegt werden die Mongolen 24 Stunden am Tag zum Kauf irgendwelcher Konsumartikel aufgefordert. Erstaunt bin ich, als wir am Suchbatarplatz vorueberfahren. Das Mausoleum des Staatsgruenders gibt es nicht mehr. Seine Reiterstatue in der Mitte des Platzes ist noch da und am gegenueberliegenden Prachtgebaeude sitzt zwischen zwei Saeulen Tschingis Kahn auf dem Thron. Der ehemalige Welttyrann, in der Sowjetzeit als feudalistisch verpo- ent, ist nun in der Mongolei Volksheld, Identifikationsfigur ersten Grades. Nicht anders als sein Urenkel, Timur in Usbekistan. ( BILD 3 ) Wir suchen ein Hotel. Dabei faellt auf der Strasse der hohe Auslaenderanteil ins Auge. Viele Japaner und Koreaner aber auch Europaeer sind darunter. Vor allem Korea scheint in der Mongolei gut vertreten zu sein. Es gibt koreani- sche Banken, Restaurants, Geschaefte. Unter den Europaeern finden sich viele Rucksacktouristen. Junge Leute, die in einem Schlafsaal mit 10 Betten fuer 5 Dollar die Nacht untergekommen sind. Die Preise sind entsprechend der Nachfrage hoch. Wir finden kein Hotel, dass annaehernd guenstig bei gleich guter Leistung wie Hotels in China ist. Wir nehmen schliesslich ein Zimmer fuer 30$ ohne Fruehstueck, zuzueglich Park- platz fuer unseren Bus. Beim anschliessenden Rundgang durch das Stadtzentrum schubst Guenter mich an: „ Siehst du das Schild da an dem Laden? Warm Water Bodywash. Weißt du was das heisst?“ Ich weiss eigentlich immer was Guenter mit solchen Anspielungen meint, muss aber zugeben, dass er mir manchmal um eine Nasenlaenge voraus ist. „ Das bedeutet, dass wir auf unserem Hotelzimmer wahrscheinlich kein warmes Wasser haben!“ Messerscharf kalkuliert, aber nicht unwahrscheinlich. Die Haeuser, die an das Warmwassernetz des Heizwerkes angeschlossen sind, haben unter der maroden Technik des alten Kraftwerkes zu leiden. Da kommt es oft vor, dass tagelang kein warmes Wasser auf den Hotelzimmern zur Verfuegung steht. Schon auf unserem ersten Rundgang stellen wir fest, dass vor allem 3 Wirtschaftszweige einen besonderen Boom erlebt haben: Das Bankengeschaeft, der Jeeptourismus und die Prostitution. Banken machen einen Grossteil der neu errichteten Gebaeude aus. Es gibt Banken fuer jedes Spezialgebiet, vor allem auch Internationale Banken. Kein Problem hier in der Mongolei Travellerschecks zu tauschen und zwar nicht nur in Landeswaehrung, sondern in US$, Euro oder Rubel. Das waere in Peking unmoeglich. Da die Attraktion der Mongolei ihre Landschaften sind, wird diese auch vermarktet. Dazu werden ueberall Jepptou- ren angeboten. Es gibt Kurztrips, die in die naehere Umgebung der Hauptstadt fuehren, sowie mehrtaegige Touren in weiter entfernte Gebiete, wie das Altaigebirge oder die Suedgobi. Viele Restaurants sind zugleich einem solchen Unternehmen angeschlossen und werben in der Gaststaette mit grossen Fotos fuer ihr Tourangebot. Unerwartet verbreitet ist auch die Anreise mit Autos oder mit Motorraedern aus Europa. Wir, mit unserem alten VW- Bus, sind nicht mehr die grosse Nummer wie noch in China. Hier trifft sich sozusagen die halbe Welt mit den ur- tuemlichsten Gefaehrten die man sich denken kann. Viele Italiener oder Franzosen mit Motorraedern, die per Bahn hier ankommen und nach vierwoechigen Urlaub ebenso wieder zurueckgehen. Hollaender mit 2 Mercedes Bussen und 5 Kindern kamen ueber Russland. Sie fliegen zurueck, waehrend Freunde, ohne Kinder, ausserhalb der Ferien- zeit mit den Fahrzeugen die Heimreise antreten. 12 Italiener sind mit 2 Iveco Allradbussen unterwegs, so eng muss ich es nicht haben und nicht zu vergessen unsere Wohnmobilreisegruppe aus Deutschland treibt sich auch noch kier herum. Auf den ersten Blick ist Ulan Bator internationaler als Peking. Nicht nur weil die Zahl der Touristen pro Einwohner in den Sommermonaten hoeher ist, viele Auslaender haben sich hier als Geschaeftsleute niedergelassen. Da sind nicht nur die Koreaner sehr aktiv, es gibt jede Menge internationaler Restaurants. Ein Deutscher hat ein Brauhaus eroeffnetet: Kahn Braeu, und gleich zwei Restaurants, einen Biergarten und ein Hotel aufgemacht. Irisch Pubs, Chi- nesische Restaurants, Oesterreichische Kaffes. Ein Schreiner aus Oesterreich kam als Mitglied einer Hilfsgruppe und beschaeftigt nun 12 Leute in seiner eigenen Schreinerei. Wo so viel los ist, blueht auch das aelteste Gewerbe der Menschheit. Viele der renommierten Restaurants haben eine Seitentuere ueber die man in einen Club gelangen kann. Sitzt man Abends, wenn diese Clubs oeffnen, auf einer Terasse gegenueber, kann man Grueppchen von Frauen durch diese Eingaenge gehen sehen, von denen Guenter ueberzeugt ist, sie haetten anderes im Sinne als Bier zu zapfen. Das findet man auch in den grossen Staedten Chinas. Der erfreuliche Unterschied ist der: in Ulan Bator wird man nicht auf der Strasse angemacht. In Peking wollten uns zwei nette Maedels in irgend einen Club abschleppen, auf ein Glas Tee. Noch eindeutigere Angebote erhielten wir in dem `malerischen Oasenstaedtchen` Turfan von Frauen einer Massagepraxis in dem Hotel in dem wir wohnten. Letztlich scheint auch Ulan Bator ein aehnliches Schicksal zu erleiden wie andere, groessere Metropolen der dritten Welt. Vielleicht sollte ich gerade an dieser Stelle erwaehnen, dass es eine Unzahl von Predigern in der Mongolei gibt. Das ist uebrigens nicht anders als vor 14 Jahren. Warum die alle glauben hier sei ihr Wirken besonders notwendig weiss ich nicht. Im Internetcafe sass einer neben mir, schwarze Hose, weisses Hemd bis oben zugeknoepft, aus Deutsch- land. Er lebt von den Spenden. Nein, Mongolisch kann er noch nicht, er hat einen Dolmetscher der seine Predigten uebersetzt. Zwei seiner Missionarskollegen treffen wir spaeter durch Zufall. Den einen total betrunken durch die Stadt torkelnd, den anderen, einen sehr netten, auf der russischen Botschaft. Sein Kollege, so erzaehlte er uns, habe sich ueber ein Jahr mit einer Mongolin im Internet getroffen. Hier haben die Drei eine schoene Woche erlebt und dann ist sie abge- hauen. Das habe sein Kollege nicht verkraftet, sich dem Suff hingegeben und alles, das ganze Geld und die Pappiere verloren. Jetzt bemuehe er sich um Ersatzpapiere bei der deutschen Botschaft und um einen standbyflug fuer seinen Kumpel und fuer sich selbst um ein Transitvisum durch Russland. Spaeter, im Hotel, stelle ich dann fest: Guenter hatte Recht, es gibt keine warmes Wasser. Ich frage mal nach. „ O, sorry, not today. Maybe tomorrow?“ Aber morgen wird es auch kein heisses Wasser geben. Es gelingt uns den Preis um 5$ zu druecken und die naechsten Tage mit kaltem Wasser vorlieb zu nehmen. Der Oesterreichische Schreiner, von den ich gerade berichtete, hat draussen in der Vorstadt ein Badehaus mit hei- ssen Duschen und Gelegenheit zum Waeschewaschen und Haareschneiden zu vertraeglichen Preisen eingerichtet. In der Not waere das eine Loesung. Neuere, teure Hotels sind selbstverstaendlich von der Warmwassezufuhr des Kraftwerkes unabhaengig. Aber alles hat das seinen Preis. Am Sonntag erfahren wir von anderen Touristen, dass die Russischen Visa nur mit einer Bearbeitungsfrist von 7 Arbeitstagen zu haben sind. Es ist keine Expressbearbeitung gegen Aufschlag moeglich. Das wirft uns zurueck. Am Montag werden wir unser Visum beantragen, die Ausreise ist somit erst am Mittwoch d. 15. moeglich. Das wirft ein weiteres Problem auf: am 13. endet unser Mongoleivisum. So knapp wollen wir es lieber nicht haben, sondern wer- den gleich am Montag auch dieses Visum verlaengern lassen. Gestern Morgen bin ich um 8:00 auf die Strasse gegangen und fuehlte, irgend etwas ist anders als sonst. Keine Au- tos, die Geschaefte nicht geoeffnet, nur wenige Menschen auf den Strassen, die Baustellen der Hochhaeuser ver- waist, was ist los? Nichts, es war ganz einfach nur Sonntag, kein Tag wie jeder andere. In China ebenso wie in den zentralasiatischen Laendern gibt es keinen Sonntag . Gerade an den Baustellen in China wird Tag und Nacht gear- beitet. Hier, in Ulan Bator ist der Sonntag scheinbar noch heilig. Aber auch nur scheinbar. Heute ist naemlich Mon- tag, und die Strassen sind um 9:00 Uhr genauso leer wie gestern morgen. Ulan Bator schlaeft einfach etwas laenger. Nur die Hunde treiben sich frueh morgens in den Strassen herum. In Rudeln von mehr als 5 Tieren streifen sie nachts durch die Stadt und versuchen irgendwo was fressbares aufzutreiben. Tagsueber ruhen sie sich in den Ger- siedlungen am Stadtrand aus. Heute ist es auch amtlich, unser Russlandvisum erhalten wir am Mittwoch dem 15. Die Verlaengerung des Mongo- leivisums am kommenden Donnerstag. Am Wochenende werden wir die Stadt voruebergehend verlassen und aufs Land fahren. Ich nutze die Zeit bis dahin um ein wenig zu schreiben, Guenter schlendert durch die verschiedenen Geschaefte und schwaermt mir anschliessend von den tollen Frauen hier in Ulan Bator vor. Vor 14 Jahren gab es nur zwei Arten sich als Frau zu kleiden: entweder man kam vom Land, trug den traditionellen Del und roch nach Kuh bis Kamel, oder man war Staedter und trug die typischen knoechellangen Roecke vielleicht noch mit Kopftuch. Das hat sich total geaendert. Knappe Roeckchen sind in, oder ganz kurze Hosen, dazu zum Beispiel schwarze Strümpfe mit Spitzenboerdchen bis ueber die Kniee und hohe Stoeckelschuhe, was den Traegerinnen bei diesen Strassenverhaeltnissen einiges abverlangt. Aber auch alle anderen Variationen mit denen man Maennerblicke auf sich zieht sind im Gebrauch. Wer`s nicht glaubt, der setze sich mal fuer eine Stunde auf die Bavaria-Bierterasse am Kaufhaus im Zentrum der Stadt, wo wir unser Fruehstueck einnehmen, und ueberzeuge sich selbst davon. Eines Abend erzaehlt Guenter mir von einer Entdeckung im Buchladen. Ich kann es nicht glauben und muss mich selbst ueberzeugen. Da steht doch tatsaechlich `Mein Kampf ` unter den Bestsellern im Regal?? Buchdeckel in Deutsch, Inhalt in Russischen Buchstaben auf Mongolisch. Ich erinnere mich an die vier Bankangestellten die wir gestern in einer ueberfuellten Bierkneipe getroffen haben. Wir kamen in holprigem Englisch ins Gespraech. Dann sagte der eine freudestrahlend zu mir „Dschingis Kahn“, und zeigte mit dem Daumen nach oben, „ Adolf Hitler“ ebenfalls Daumen nach oben. Erheben die vielleicht Anspruch auf ihr grossmongolisches Weltreich? Vor 14 Jahren war die Mongolei noch ein armes Land. Heute soll sie wegen ihrer Bodenschaetze zu den reichsten Nationen gehoeren. Nicht umsonst haben die Amerikaner und Kanadier sich weitgehende Rechte auf Abbau von Kupfer und Gold erkauft. Direkt vom Praesidenten, der sich diese Rechte schon vorher unter den Nagel gerissen hatte. Die Mongolei ist eben auch nur eine Demokratie. Aber es gibt noch viel mehr zu holen. Leider haben die Nomaden zwar nicht das Eigentumsrecht an den Weidegru- enden, aber das uneingeschraenkte Nutzungsrecht fuer sich und ihre Kinder inne, solange sie Nomaden sind. Was macht man dagegen? Eine Moeglichkeit waere die Nomaden vom Land endgueltig in die Stadt umzusiedeln. Aber die wollen nicht. Dennoch wird fuer Investitionen geworben und, wo immer moeglich, mit dem Abbau der Rohstoffe begonnen. Dagegen wird in der Stadt protestiert. Auf ebenso grossen Leinentuechern wie die kommerziellen Reklameflaechen wird gegen den US-Imperialismus, gegen Koreanische Schacherer und gegen die korrupte Regierung protestiert. Auf Fotowaenden wird ueber den Raubbau an der Natur informiert. Ob das die Mongolen wirklich interessiert? Ich stehe alleine an einem solchen Informationsstand.( BILD 4 ) Vorsorglich haben Unternehmen das Projekt `Marshall-town` ins Leben gerufen: Sicheres Wohnen fuer Investoren und Manager hinter Stacheldraht und Elektrozaeunen. Es gibt bereits eine Japan-town mit der gleichen Zielsetzung. ( BILD 5 ) Es ist viel Geld im Umlauf, das merkt man, wenn man abends in bestimmte Lokale geht. Nicht wenige Mongolen koennen sich was leisten. Europaeische Luxusautos auf den bewachten Parkplaetzen der Kneipen sind nicht selten. Aber es gibt auch die andere Seite der Medaille: Bettler und Diebe. Gegen Diebe versucht man sich mit den zahlreichen Sicherheitsagenturen zu schuetzen. In unserem Hotel steht zum Beispiel immer ein Wachmann an der Rezeption. Nicht nur das Hotel, sondern jede einzelne Etage wird abgeschlos- sen und nur den Gaesten die hier ein Zimmer haben geoeffnet. Autos werden, wenn irgend moeglich, auf einem bewachten Parkplatz abgestellt. Bei repraesentativen Gebaeuden verzichtet man an den Fassaden des untersten Stockwerkes auf aufwendige Verkleidungen. Wo man das nicht gemacht hat, sind sie, sofern fuer irgend etwas brauchbar, abgerissen. Ersatzreifen an den Autos werden mit Fahrradschloessern, Radkappen mit Schlauchschellen gegen Diebstahl geschuetzt. Nicht schuetzen kann man sich vor den zahlreichen bettelnden Kinder. Viele Behinderte sitzen an der Strasse oder versuchen auf den Terassen mitten in der Stadt von Touristen etwas zu erbetteln. Streetworker, die diese verwahrlo- sten Kinder und Jugendliche in bestimmten Haeusern versorgen, haben meine hoechste Anerkennung. Die Armen leben am Stadtrand. Hier hat sich eine eigene Kultur entwickelt. Schwarzmaerkte bluehen. Vor allem alles was man fuer sein Auto braucht, einschliesslich der notwendigen handwerklichen Leistungen kann man hier erwerben. Wie sind uns einig: Ulan Bator war schon vor 14 Jahren nicht die Stadt, wegen der sich eine Reise in die Mongolei lohnte. Es ist das Land, was Guenter und mich wieder in die Mongolei gelockt hat. Sobald wir die Verlaengerung unseres Mongoleivisums am Donnerstag abgeholt haben, werden wir einen Ausflug aufs Land unternehmen.

 

Sonntag 19.08.2007


Gerade hat mich eine E-Mail von Hans Günter erreicht: Es geht Ihnen gut.
Leider haben sie in der Mongolei 13 Tage auf ein Visum warten müssen.
Jedenfalls sind sie zum gegenwärtigen Zeitpunkt in Russland.
Ich glaube aber aufgrund der zeitlichen Situation nicht, daß wir noch viele Reiseberichte erhalten werden.

Übrigens: Wer einen Dreckfehler findet, darf ihn behalten. Der Spruch ist zwar alt, aber nicht alles Alte ist schlecht :-)

 

 

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Wenn wir wieder da sind: .
August Köln Ca. Ende August Ankunft Köln
September Köln WDR 5 Redezeit in der Sendung Neugier genügt am 6. September 11.05 Uhr
10.Okt. 16.00
Fotoausstellung „Der Barkhor“ Lhasa, Tibet
Eröffnung durch Bürgermeister Paul Larue
(Düren Bürgerbüro)
30. Okt. 19.00 „Tibet – Das Land der Götter“ Diareportage
(Düren: VHS Violengasse 2)
26. Nov. 15.00 „Die Seidenstrasse“ - Durch Zentralasien vom Iran bis Kirgistan (Köln: Domforum)
05. Dez. 15.00 „Die Seidenstrasse“ - Von Kashgar bis Xiàn (Köln: Domforum)

 

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