Donnerstag 14.06.07







Heute brechen wir auf, es heute geht nach Turkmenistan. Der Grenzort XXXXX ist rund 200 Kilometer von Mashhad entfernt. Am morgen im Hotel, beim auschecken, nochmals eine kleine Überraschung: Die Hotelmanagerin gibt Günter im Umschlag einen Fünfdollarschein. Sie habe nochmals überlegt, das Zimmer sei mit 50 US$ gut genug bezahlt. Eine Quittung haben wir für unsere 55US$ nie erhalten. Was hat sie bewogen uns das Geld zurückzuerstatten? Wir wissen es nicht, aber sie wirkt fast etwas emotional. Irgendwie scheint sie uns in ihr Herz geschlossen zu haben.

In Mashhad sind UN-Mitarbeiter stationiert, die von hier aus über die Grenze nach Afghanistan fahren. Ihre weißen Fahrzeuge mit schwarzer Aufschrift fahren ein Stück in unsere Richtung, bevor sie nach Osten in Richtung Afghanistan abbiegen. Diese UN-Fahrzeuge und das Flüchtlingslager das unvermittelt an der Straßen-seite auftaucht, erinnern uns daran, dass wir nur wenige Kilometer von einem Krisengebiet entfernt sind.

Ein letzter Abstecher führt uns zu einer alten Karawanserei mitten in der Landschaft, fernab jeder menschlichen Siedlung. Hier waren solche Karawansereien wie Burgen organisiert, die den Reisenden Schutz und Ruhe boten.

16:00 Uhr sind wir an der Iranisch-Pakistanischen Grenze. Der einzige PKW, sonst nur Lkws, mit Aus-nahme der fabrikneuen japanischen Großraumlimousinen, allesamt in Dubai zugelassen, die von hier aus nach Turkmenistan importiert werden.

Wir haben das Gefühl, die Iraner wissen nicht genau, wie sie mit uns verfahren sollen. Außer uns gibt es heute jedenfalls keine weiteren Personen die mit PKW die Grenze passieren wollen. Wir haben auch sofort wieder einen Schleuser am Hals, der uns von einer Zollbeamtin aufs Auge gedrückt wurde.

Der ist aber noch nicht besonders fit. Er rennt also hin und her, fragt bei uns nach, und steht schließlich ziemlich niedergeschlagen vor seiner Vorgesetzten, die ihm ausgiebig erklärt wo im Haus er welche Bescheinigung beantragen muss.

Alles läuft für uns wie gewohnt ohne Komplikationen. Ganz zum Schluss noch eine Gebühr von 20US$. Nein, wir brauchen nicht zurück zum Schalter, die können wir gleich unserem Schleuser entrichten,. natürlich ohne Quittung.

Turkmenistan. Über eine einspurige Brücke fahren wir durch das Niemandsland und an die Grenze. Die Soldaten oder Grenzschützer die hier Dienst tun sind alle noch recht jung. In Ihren Uniformen, khakifarben mit breit-krempigen Hut, die Hosenbeine in schwarze Stiefel gesteckt, erinnern sie mich an Kaiser Wilhelm`s Teilnehmer des Afrikaexpeditionskorps.

Vor dem Zollgebäude kommt zuerst ein älterer Mann in weißem Kittel mit einer Spritze wie wir sie zur Un-krautbekämpfung an unseren Obstbäumen verwenden. Alle vier Räder werden desinfiziert, 5$ losgeworden. Dann an der ersten Baracke ein jüngerer Mann in weißem Hemd fragt uns: „ Problems?“ Keine Ahnung. „Problems, Problems?“ Der Mann hustet demonstrativ laut. „ Das ist jetzt der Gesundheitscheck“ meint Günter. No problems. Antworten wir gleichzeitig. 5$ losgeworden. Pro Person!

Wo steckt nur unser vorher georderter Schleuser und Guide? Turkmenistan ist angeblich ohne so jemanden nicht zu bereisen. Wir warten. Die LKW-Fahrer haben alle so ein süffisantes Grinsen um die Lippen.

Wir sind an der Reihe mit den Pässen. Vorher 10$ pro Person an der Kasse entrichten. Günter sammelt jede Quittung eisern. Alle landen in einer Klarsichthülle in seinem Dokumentenordner.

Es zieht sich hin. Jetzt ist es schon 18 Uhr, bald wird es dunkel. Und da steht unser Guide. Selbst etwas verloren, in grünem Hemd, eine Schirmkappe auf den Kopf, ernster Blick: Alexander Konstantinowitsch Saharow, genannt Sascha.

Ein wenig schüchtern, vielleicht sogar etwas unterwürfig, behutsam mit leiser Stimme macht er sich an die Arbeit. Vom Amtsstube zu Amtsstube führt es uns durch diese Baracken, Hände schütteln, erklären, alles auf Russisch oder Turkmenisch und immer mal wieder auf deutsch zu uns ein „ so sind wir halt“ oder „ ja das sind wir“ oder „ wir sind eben so“. Na toll.

„Was für ein Auto habt ihr?“ fragt Sascha „ Einen PKW.“ sage ich.- „keinen Bus“- „nein, ein PKW“ - „ Das glaubt uns aber keiner, wenn wir unterwegs kontrolliert werden.“- „ auf jeden Fall keinen Bus!“ „ Sie schlagen hier vor einen Minibus.“- „ Na gut. Wenn die wollen.“

Jetzt die Reiseroute. Alles hat Günter schon zur Beantragung der Visa bei der Botschaft eingereicht. Alles bereits bestätigt. Aber da sitzen zwei erwachsene Männer hinter einem Schreibtisch mit einer verwaschenen Entfer-nungsliste und Taschenrechner und versuchen die Route nachzurechnen. Inzwischen kommen die LKW-Fahrer einer nach dem anderen kurz reingeschneit und reichen dem einem oder anderen Beamten die Hand und es ist klar: es fließt Geld. Ich bin sprachlos. Alexander ernst: „ Ja, das ist Turkmenistan.“

Günter wartet. Er weiß wie lange unsere Route durch das Land ist. Er wirkt gespannt. Sache: „Sie sagen 1800 Kilometer“

„Was, so groß ist das Land doch gar nicht“. Sascha übersetzt. Die Beamten beginnen erneut zu rechnen. Günter geht eine Flasche Wasser kaufen. Die Beamten sind fertig. Sascha: „ jetzt sage sie 1950 Kilometer. Das kostet 70$“ Ich stimme zu, damit es weitergeht: Sascha: „so sind wir halt.“

Es ist heiß, ich habe keine Lust mehr, ein russischer LKW-Fahrer zwinkert mir zu, wir gehen zur Kasse. Ich meine wir sind auf insgesamt 170US$, aber der Mann an der Kasse zählt einfach noch mal alle bereits gezahlten Gebühren zusammen. Günter kommt, er hat die Quittungen, Sascha ist jetzt nicht mehr ernst, er ist sehr ernst. Er redet langsam und leise aber bestimmt auf den Mann hinter dem Schalter ein. Der korrigiert seine Rechnung und jetzt stimmt sie.

Alles klar, nur noch die Verkehrspolizei und der Zoll. Die Verkehrspolizei sieht sich die Papiere an und will meinen Führerschein sehen. Ich habe diesen neuen Euroführerschein, auf dessen Rückseite die Fahrzeuge die ich fahren darf abgebildet sind. Alle Scheine habe ich nur den großen Bus mit Anhänger und den großen Bus ohne Anhänger und den kleinen Bus darf ich nicht fahren. Der kleine Bus steht für den Personenbeförderungsschein.

Der Beamte entscheidet dass ich nicht berechtigt bin einen Minibus zu fahren. Ich sehe Alexander entsetzt an. Der wird wieder sehr ernst und redet leise aber bestimmt auf den Beamten ein. Schließlich gibt der mir den Führerschein zurück und zuckt mit den Schultern.

Nur noch die Zollkontrolle. Da geschieht ein Wunder. Die zuständigen Beamten geben uns die Hand und lassen uns ziehen. Nichts wie weg hier.

„Was hast du den Beamten eigentlich gesagt vorhin,“ frage ich Sascha. Der antwortet ernst: „ich habe gesagt sie seien eine Schande für unseren ganzen Staat und das sie sich nicht wundern können wenn keine ausländischen Gäste zu uns kommen.“ So ist er halt, unser Sascha.

Bis Mari sind es noch knapp 200 Kilometer, das erste Stück sehr schlechte Strasse und 5 Polizeikontrollen mit Wachhäuschen und Schlagbaum und vielen Vorhaltungen seitens der Polizei, weil wir eine Abkürzung genom-men haben die nicht in unserem genehmigten Routenplan, angegeben ist.

Wir sind alle sehr entnervt, als wir endlich in Mari ankommen, unsere Sachen im Hotel verstaut, die Wäsche zu Waschen gegeben haben und uns mit Sascha in ein Restaurant zum Abendessen treffen.

Ein Restaurant von drei Russinnen geführt, nichts Besonderes, der Boden gefliest, ungemütliche Bestuhlung. Aber nach einer Woche Iran endlich wieder Bier vom Fass, Rockmusik aus dem Fernseher und normale, unver-schleierte Frauen. Schon ist unsere Welt wieder in Ordnung. So sind wir halt.

Freitag 15.06.07














Sascha hat für heute eine Exkursion in die Frühgeschichte Turkmenistans geplant. Er hat dafür einheimische Fahrer angeheuert. Warum fahren wir nicht mit unserem Bus? Der Grund ist einleuchtend. Mit unserem Bus fallen wir hier zu sehr auf. Jeder Polizeiposten wird uns kontrollieren. Außerdem liegen unsere Ziele in einer Richtung, die nicht mit unserer genehmigten Marschroute übereinstimmt. Werden wir abseits der Route von einem unnachgiebigen Polizist erwischt, müssen wir zu unserem Einreisegrenze zurück, dort Strafe zahlen und unsere Marschroute ändern. Das wollen wir auf keinen Fall.

Der Fahrer mit seinem russischen Minibus kommt zu spät. Lange Diskussionen zwischen ihm und Sascha über Ar-beitsmoral bevor wir endlich losfahren.

Jetzt, bei Tageslicht, sieht man etwas mehr von Der Stadt. Das Zentrum ist weiträumig angelegt. Hier stehen offiziel-le Gebäude, wie das Gesundheitsamt dieser Region, Verwaltungsgebäude, Museen, alle in Weis. Dazwischen viel freie Fläche mit Grünanlagen und Wasserspielen zur Auflockerung.

All diese großen, pompösen Gebäude im Stadtinneren sowie die Grünanlagen sind erst nach dem Ende der Sowjetunion und der Unabhängigkeit Turkmenistans 1991 entstanden. Gemessen an ihrem heutigen Erhaltungszustand sind sie aber wesentlich älter.

Nicht anders verhält es sich mit den überbreiten Strassen im Stadtzentrum und erst recht mit den drei- bis vierstöckigen Wohnhäusern um den Stadtkern herum noch aus der Sowjetzeit. Alles ist in unseren Augen recht heruntergekommen.

Der Asphalt der Straßen wellt sich, Schlaglöcher bilden ein unangenehmes Hindernis, Kanaldeckel stehen 10 bis 20 cm über. Die Betonplatten auf den Gehsteigen bilden längst keine ebene Fläche mehr, das bringt uns mehr als einmal fast zu Fall.

Vorsicht, zwischen Fahrbahn und Gehweg befindet sich in der Regel ein in Beton gefasster Graben, etwa 50cm breit und ebenso tief. Er ist zur Fahrbahn hin nicht abgesichert. Also niemals auf die Idee kommen möglichst nahe am Gehweg heranzufahren. Günter wäre beinahe aus der Beifahrertüre in so einen Graben gefallen.

An den Wohnhäusern kann man die ursprüngliche Farbe der Fassade nur an wenigen Stellen noch erahnen, die Hauseingänge wirken auf uns sehr ungepflegt. Müll sammelt sich in verrosteten Blechtonnen.

Aber die Balkone der Wohnungen sind gut mit Satellitenschüsseln bestückt und jedes Zimmer scheint mit einer Klimaanlage nachgerüstet. Zwischen der Fahrbahn und den Wohnhäusern wurde ein breiter Grünstreifen angelegt und mit Bäumen bepflanzt die heute schon fast so hoch sind wie die Häuser.

Morgens werden Strassen und Plätze gefegt und die Grünanlagen am Nachmittag mit fest installierten Berieselungsanlagen gesprengt.

Außerhalb des Stadtkerns hinter den großen Wohnanlagen wird es ländlicher und ärmlicher. Die Menschen leben in kleinen, niedrigen, lehmverkleideten Häusern. Die meisten sind irgendwie in der staatlichen Landwirtschaft beschäftigt und bearbeiten zusätzlich ein eigenes Stück Land, ziehen Ziegen Schafe oder Rinder.

Vor allem die Baumwolle gibt den Leuten hier Arbeit. Nicht nur beim Anbau sondern auch in der Weiterverarbeitung. Türkische und Iranische Unternehmen haben sich in der Region angesiedelt und beschäftigen viele Einheimische.

Unterwegs im Auto spreche ich mit Sascha über einen, der in Turkmenistan allgegenwärtig ist: Saparmurad Nijasow, Turkmenbashi der Grosse. Sein Konterfei, strahlt überlebensgroß von jedem öffentlichen Gebäude herab. Über dem Eingangstor jeder Fabrik, auf Transparenten an den großen Straßenkreuzungen und Brücken. Zahllose Denkmale in der Stadt stellen ihn in allen möglichen Posen dar.

Sascha spricht von ihm nur als der Grosse, damit seine Landsleute nicht mitbekommen, dass er mit uns über ihn spricht.

Turkmenbashi ist seit Februar dieses Jahres tot. Aber während der einjährigen Trauerzeit wird nichts Schlechtes über die Toten gesprochen und daran hält sich Sascha.

Der Grosse betrachtete sich als Vater aller Turkmenen und führte sein Volk wie einen Familienbetrieb. Dabei hatte er keine Probleme zu behaupten die Turkmenen lebten in der einzigen wirklichen Demokratie.

Der Grosse war sozusagen gelernter Diktator. Er hat seinen Job noch unter den Fittichen der Sowjetführer von der Picke auf gelernt. Der Reichtum des Landes an Bodenschätzen machte es ihm möglich auch bei den einfachen Leuten beliebt zu sein. Strom, Wasser, Gas sind im ganzen Land kostenlos. Die Wohnungsmieten sind niedrig, Benzin und Diesel kostet umgerechnet 4 Eurocent.

Einen Neuen Grossen gibt es auch schon. Russische Zeitungen haben berichtet er sei ein unehelicher Sohn des Alten. Sein Bild sieht man auch schon hier und da auf Plakaten. Tatsächlich sehen sich die zwei ziemlich ähnlich. Es hat den Anschein, der Neue wird genauso weitermachen wie der Alte aufgehört hat. Sascha sagt dazu nichts.

Wir haben tatsächlich Glück, ohne kontrolliert zu werden kommen wir aus der Stadt in die Wüste. Rund 80% des Landes besteht aus Wüste. Nicht wie im Iran gebirgige Steinwüste, sondern flache Sandwüste. Turkmenistan liegt insgesamt viel niedriger als der Iran; wir messen Höhen zwischen 50 und 200 Metern. Das wird mit der Grund dafür sein, dass es hier doch um einige Grad heißer ist als im weiter südlichen Iran. Heute ist es 45 Grad und auch in der Nacht schafft es die Klimaanlage nicht, die Temperatur im Zimmer unter 30Grad zu drücken.

Wir fahren ein Stück in die Wüste hinein und erreichen eine Ausgrabungsstätte. Amerikanische und russische Wissenschaftler haben eine Stadt aus der Jungsteinzeit entdeckt.

Die ursprünglichen Bewohner waren Feueranbeter. Man stellte Tongefäße her in denen man Asche sammelte. Solche Gefäße wurden entdeckt, als man der Frage nachging, wieso aus verschiedenen Ameisenbauten verschiedenfarbige Aschen heraustransportiert wurden. Auch Pferde genossen besondere Verehrung. Nach ihrem Tot hat man sie in besonderen Gräbern beigesetzt

Der Große hat diese Entdeckungen nach seiner Art gedeutet: Alle menschliche Zivilisation stammt aus Turkmenistan. Er hat diese Erkenntnis in einem Buch veröffentlicht, daß jeder Turkmene gelesen haben muß. Auch diesem Buch sind zahllose Denkmale gewidmet.

Es ist tatsächlich überraschend, wie viele Zeugnisse aus der Geschichte der Zivilisation hier in Turkmenistan zu finden sind. Die Achämeniden, die Griechen zur Zeit Alexanders, die Parther, die Römer, die Sassaniden, natürlich auch Seldschuken, die Araber und Mongolen, alle haben hier große Städte, Tempel, Burgen gebaut, die heute nur zum Teil wieder hergerichtet sind und besichtigt werden können.

Auf unserem Weg treffen wir auch auf die ersten Kamele. Aber ich war schon sehr erstaunt statt den erwarteten zweihöckerigen Kamelen auf Dromedare zu stoßen.

Nein, Kamele gibt es keine mehr in Turkmenistan, die Araber haben ihre Dromedare mitgebracht. Die sind einfacher zu reiten, nicht so stur, edler und schneller. Kamele eignen sich nur zum Transport. Sie können schwerere Lasten tragen als Dromedare und kommen länger ohne Wasser aus.

In Turkmenistan findet man Kamele nur noch auf Abbildungen und als Denkmal, wenn es um die Geschichte der Seidenstraße geht. Dromedare werden gezüchtet um ihre Milch, Wolle und das Fleisch zu verwerten. Man weidet sie in der Wüste wo an vielen Stellen Saxaul wächst. Dieser Busch wird hier etwa zwei Meter hoch. Die besondere Be-schaffenheit seiner Blätter macht ihn gegen die Gefahr des Austrocknens weitgehend unempfindlich

Der Tag wird lang uns heiß. Zum Glück hat Sascha mir eine Kappe gekauft Die Sonne sticht erbarmungslos auf unsere Köpfe und ohne irgendeine Kopfbedeckung hätte er mich nicht mitgenommen.

Den Abend verbringen wir in einem der Biergärten die von jungen Leuten unter hohen Bäumen geführt werden.

Das Bier wird frisch gezapft und in großen Krügen serviert. Dazu werden auf einem Grill unterschiedliche Fleisch-sorten zubereitet. Auf Salat verzichte ich lieber, ich habe meinen ersten Durchfall gerade hinter mir. Sascha ißt wenig und langsam. Bier verträgt sein Magen nicht. Er bleibt bei grünen Tee mit Zucker. Seine Art den Tee zu süßen ist für mich neu: erst ein kleines Stück vom Würfelzucker abbeißen, etwas zerkauen und mit Tee nachspülen.

 

Samstag 16.06.07



Heute, nach Ashgabat, fahren wir wieder mit unserem Auto und es bestätigt sich, an Tourismus scheint das Land nicht sonderlich interessiert. Wir werden an jeder Kontrollstelle angehalten, müssen Pappiere zeigen und es gibt immer Diskussionen zwischen den Beamten und Sascha. Unterwegs achtet Sascha darauf, daß wir nicht zu auffällig fotografieren. Zum Beispiel die Ölanlagen, oder den Pipelinebau.

Die Bodenschätze des Landes sind sein zweites Standbein neben der Baumwolle. Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb man auf die Entwicklung des Tourismus noch nicht angewiesen ist. Dabei sind die Leute hier freundlich und an uns interessiert. Auch hier winken sie uns aus ihren Autos zu. Aber als `Erfinder der Zivilisation` wirken sie manchmal ein bißchen arrogant .

Ashgabat. Dazu kann man nichts sagen. Eine Komposition aus sattem Grün mit plätschernden Wasserspielen und einer futuristischen Architektur in Weis. Die Stadt hat Olympiastadien ohne sich bisher überhaupt als Austragungsort beworben zu haben. Es gibt Denkmale für den Großen, seine Mutter, seinen Vater, seine Lieblingstiere: die Pferde, Denkmale für die Bücher die er geschrieben hat.

In der neuen Moschee stößt man auf etwas, was es sonst in der Welt nirgendwo zu sehen gibt: An ihren Innenwänden sind keine Koransprüche in arabischen Schrift zu finden, sonder in Russischen Buchstaben Zitate aus dem Buch des Grossen.

Auf einem der Denkmale steht der Grosse 70Meter über der Erde in Gold, die Hand zum Himmel gestreckt und dreht sich mit der Sonne. Nein: er geht 5 Minuten vor. Die Sonne dreht sich nach Ihm. Absurdistan.

Der Islam ist in Turkmenistan anders als im Iran. Die Frauen tragen hier in der Regel eine Kopfbedeckung nur als Sonnenschutz oder wenn sie eine Moschee betreten. Ein Alkoholverbot gibt hier auch nicht.

Vielleicht liegt das daran, dass in der Sowjetzeit Religion aus der Staatsführung verbannt wurde.

Andererseits geht es in den Innenstädten des Iran viel lebhafter zu. Dort ist ein kleiner Laden neben dem anderen. Alle in Privatbesitz. Hier in Turkmenistan findet man solche Einkaufsstraßen überhaupt nicht. Selbst in Ashgabat geht man auf den Bazar oder auf spezielle Märkte vor der Stadt, wenn man einkaufen will.

Wer die Bilder der Stadt sieht, dem wird vielleicht auffallen, daß nur so wenige Menschen in den Straßen zu sehen sind. Das liegt an der Tageszeit, es ist früher Nachmittag und das Thermometer in der Stadtmitte hat 52 Grad angezeigt. Unseres bringt es im Autoschatten immer noch auf 49 Grad. Da geht keiner außer uns durch die Stadt. Abends, wenn die Biergärten aufmachen, kommen die Leute nach und nach aus ihren Häusern. Aber nur bis 22:00 Uhr. Dann ist Sperrstunde und man muss in einen der zahlreichen Clubs gehen wo der Eintritt richtiges Geld kostet.

 

Montag 18.06.07







Kontrastprogramm: wir fahren in die Wüste. Hier hat Sascha eine Nacht in einem kleinen Dorf organisiert. Der Gastgeber ist Mitarbeiter eines Institutes das über die Möglichkeit forscht Wüstenland zurückzugewinnen. Den Leiter dieses Institutes und einen Assistenten treffen wir dort auch. Das Projekt wird übrigens von der GTZ in Deutschland unterstützt.

Das Leben hier in der Wüste ist sehr einfach. Zwei Lehmhütten mit je drei Zimmern und eine Jurte werden im Winter von den insgesamt 10 Familienmitgliedern bewohnt. Jetzt in dieser Hitze findet alles im Freien statt. Universal-möbel ist ein zweistöckiges Holzgerüst. Hier wird gegessen und geschlafen. Eine Dusche dahinter auch unter freien Himmel. Wasser kommt aus einem Brunnen in der Dorfmitte und wird über ein Rohrsystem auf die Häuser verteilt.

Es gibt gut und viel zu essen. Wir trinken Kamelmilch. Günter winkt ab, ich versuch´s mal. Schmeckt leicht säuerlich. Steht sie länger im Topf, wird sie etwas glasig und es setzten sich schleimige Klumpen an der Oberfläche ab. Jetzt kostet es schon etwas Überwindung. Aber da ich ja vorhin behauptet habe die Milch sei richtig lecker, kann ich jetzt nicht kneifen. Also nichts wie runter damit und den Wodka hinterher. So geht’s!

Dienstag 19.06.07




Am nächsten Morgen zum Frühstück gibt es gegrillte Schafsleber, das mag ich schon mal nicht. Aber mit der guten Kamelmilch und einem Glas Wodka schaff ich`s.

Interessant wie sie hier den Nescafé trinken. Sie schütten ihn mit grünem Tee auf. Ich bleibe da doch bei heißem Wasser

Wir fahren durch die Wüste nach Norden. Ziel ist Usbekistan. Die Strasse ist die ersten 100 Kilometer sehr gut, wird dann aber sehr schlecht. Manchmal so schlecht, dass ich die Sandpiste an der Straßenseite vorziehe. Wir schaffen

nur einen Schnitt von 50 Kilometern. Auch in der Wüste gibt es Polizeikontrollen. Immer wieder werden unsere Pässe kontrolliert, unsere Namen in eine Kladde eingetragen über die Marschroute diskutiert..

Dashaus heißt der Grenzort auf turkmenischer Seite, unser letztes Hotel hier und der Abschied von Alexander naht.

 

Mittwoch 20.06.07


Die Grenzformalitäten erledigt Sascha professionell, diesmal brauchen wir nichts zu bezahlen. Es gibt einen regen kleinen Grenzverkehr zwischen Turkmenistan und Usbekistan. Viele Leute stehen schon zu früher Stunde um nach Usbekistan zu reisen. Sie haben Taschen und Kisten dabei, die in Karren aufgehäuft und darin über die Grenze trans-portiert werden.

Die Usbekischen Grenzposten sind nicht so hinter dem Geld her wie vor ein paar Tagen die Turkmenischen. Wir brauchen überhaupt keine Gebühren zu bezahlen. Vielleicht liegt das daran, dass über diese Grenze nur Einheimische und ganz selten mal Touristen einreisen. Die ärmlichen Baracken sind innen mit Lehm verputzt, der Boden ist mit grobem Kies ausgelegt ,weit und breit kein Computer.

Alles verläuft reibungslos, nach einer Stunde sind wir durch und können uns auf den Weg nach Shiva machen.

Auch in Usbekistan müssen wir eine Einladung haben um in Deutschland Visa zu erhalten. Auch hier reichen wie im Iran zwei Hotelbuchungen aus. Allerdings sind wir verpflichtet uns von jedem Hotel eine Bestätigung für die Übernachtung geben zu lassen. Das heißt wir müssen auch in Usbekistan in Hotels schlafen.

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