Donnerstag 21.06.07

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Shiva - Buchara

Shiva, Buchara, Samarkand, Taschkent sind die klangvollen Namen der Städte, in denen die Architektur aus der Spätzeit der Seitenstraße am besten erhalten ist und am aufwendigsten wiederhergestellt wurde.

Diese Epoche lag in der Mongolenzeit, 13. bis 15. Jahrhundert. In dieser Zeit war die gesamte Region der Seidenstraße unter ihrer Kontrolle. Handel und Warentransport entlang der Seidenstraße standen ausdrücklich unter ihrem Schutz und konnten sich so zur vollen Blüte entfalten.

Die Mongolen waren es aber auch, die dem anderen, bedeutenden Aspekt der Seidenstraße, nämlich ihre kulturelle Vielfalt, ein Ende bereiteten. Ihre ursprüngliche Toleranz andersdenkenden und andersglaubenden Menschen gegenüber, solange diese den weltlichen Herrschaftsanspruch der Mongolen nicht in Frage stellten, änderte sich durch die Hinwendung der Mongolenführer zum Islam.

So ist das, was wir heute in den vier Städten, alle in Usbekistan gelegen, an Seidenstrassenkultur bewundern fast ausschließlich Architektur islamischen Ursprungs. Moscheen, Registane Mausoleen, alle im islamischen Baustiel aus der Spätzeit der Seidenstraße.

Shiva liegt weit abgelegen von den anderen drei Städten. In einer riesigen Oasenlandschaft in der Wüste. Eigentlich ein Dorf, hat es nun, nach der Restaurierung der Altstadt, eine Sehenswürdigkeit, die für uns noch dadurch an Wert gewinnt, daß keiner hinfährt.

Nach Shiva kann man nämlich nur mit dem Überlandbus durch eine ausgedehnte Wüstenlandschaft über miserable Straßen, oder mit dem russischen Flieger aus Buchara oder Samarkand. Beides für den Normaltouristen nicht sehr attraktiv. Da die Altstadt von Shiva noch dazu recht überschaubar ist, eine Übernachtung also in den Programmen der meisten Reiseunternehmen nicht vorgesehen ist, gibt es wenige Hotelbetten. Darum ist Shiva der richtige Ort für Leute wie uns.

Wir treffen denn auch hier auf einen Reiseunternehmer, der mit dem Offroadbus von London anreist und weiterfährt über Tatschikistan, Afghanistan, Pakistan, Indien nach Nepal. Die Mitreisenden haben nur jeweils einen Teil der Reise gebucht und die Gruppe stellt eine in Alter und Nationalität bunt gewürfelte Reisegesellschaft dar. Auch Rotel, das rollende Hotel aus Deutschland, treffen wir hier in Shiva.

Unser Auto mit den vielen Aufklebern fällt auf. Am Nachmittag haben wir einen Termin mit der örtlichen Presse. Unsere Reise ist dem Redakteur ein Artikel Wert, wir hoffen er schickt uns ein Exemplar zu.

Trotz der relativ wenigen Touristen in Shiva, spüren wir hier zum ersten mal die Schattenseiten des Tourismus. Überall stehen Stände an denen der gleiche Kitsch angeboten wird wie nebenan, kombiniert mit solchen an denen man kunsthandwerkliches aus der Region erstehen kann.

Auf goldenen Plüschsofas kannst du dich vor einem alten Mausoleum als Timur, einen der letzten Mongolenfürsten und angeblich der Gründer Usbekistans, fotografieren lassen. Da passt das einsame Dromedar, ebenfalls Kulisse für ein Erinnerungsfoto schon etwas besser.

Man sollte schon so wie wir in der Stadt sein, um diese Sehenswürdigkeiten ungestört bestaunen zu können. Die Altstadt von Shiva ist eine reine Museumsstadt. Hier wohnen keine Menschen. Das läßt sich auf den Fotos kaum verbergen, ich finde sie alle etwas steril. In drei Stunden fotografieren uns durch die Altstadt und machen uns auf den Weg weiter durch die Wüste nach Osten.

Buchara, heißt unser nächsten Ziel. Die Wüstendurchquwerung dauert rund 6 Stunden ohne Pause. Die Straße läßt gerade mal eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 50 km/h zu. Immer wieder krachen wir in ein Schlagloch, das läßt sich kaum vermeiden.

Auf einmal spüre ich, daß die Servolenkung ihren Dienst versagt. Kann eigentlich nur daran liegen, daß der Keilriemen gerissen ist. Bei nächster Gelegenheit sehe ich mir den Schaden oberflächlich an und finde den Keilriemen völlig intakt zwischen Karosserie und Motor hängen. Irgendwann später werde ich ihn wieder aufzuziehen, vorerst fahre ich ohne Servolenkung. Jetzt bin ich froh über das Lenkrad mit großem Durchmesser. Eberhard, meine Autowerkstatt, hat es mir bei Gelegenheit an Stelle des kleineren Lenkrades, wie für Autos mit Servolenkung üblich, eingebaut.

Es wird wieder einmal sehr heiß, wir messen über 50 Grad. Jetzt bin ich auch über unsere Kühlbox froh. Es macht schon was aus, wenn das Wasser, wenigstens etwas kühler ist als die Umgebungstemperatur. Wir trinken jetzt viel Wasser, so circa 8 Liter pro Tag zusammen, zusätzlich zu dem Kaffe oder Tee bei den Malzeiten. Wasser ist zum Glück in den üblichen Plastikflaschen überall zu Haben. Häufig wird es auch am Straßenrand zu den ortsüblichen Produkten wie Äpfel, Kirschen und Melone oder Marmelade und Honig angeboten.

Im Verlauf dieser Wüstenfahrt glaube ich festgestellt zuhaben, daß der Motor eine etwas niedrigere Temperatur angibt, ohne die Servolenkung. Also lasse ich sie zunächst einmal weg und steuere mit Muskelkraft. Man kann sich daran gewöhnen.

Zahlreiche Polizeikontrollen nerven mich. Immer wieder neu registrieren lassen verlangt Geduld. Dabei sind die Polizisten freundlich. Zuerst Begrüßung per Handschlag, dann mit den Papieren ins Wachhäuschen und die Daten in eine Kladde übertragen lassen. Die Beamten haben Schwierigkeiten mit unserer Schrift, da kommt es vor, daß ich selbst die Daten eintrage, nicht selten bei einem Glas Tee und weiter geht es zur nächsten Kontrolle.

Natürlich verstehen wir kein Wort von dem was da gesagt wird, und so sind wir schon sehr erstaunt, als auf ein zustimmendes Lächeln von uns vier Polizeibeamte in unseren Wagen einsteigen, einmal nach Buchara bitte. Die Wachablösung kommt später.

Jetzt muß unser Bus schon richtig arbeiten. Die Anzeige der Öltemperatur fällt nicht mehr unter 120 Grad, der Ventilator für die Wasserkühlung läuft immer mindestens auf der zweiten Stufe. Allerdings brauche ich bei jeder weiteren Polizeikontrolle nur kurz anzuhalten, zwei Worte aus dem hinteren Teil des Autos und weiter geht es.

Wir halten uns an das, was wir in unserem Reiseführer gelesen haben und den Berichten anderer Leute die mit dem Auto durch Usbekistan gefahren sind und steigen auch in Buchara in einem Hotel ab. Denn: in Usbekistan muß man bei der Ausreise jede Übernachtung nachweisen.

 

Freitag 22.06.07

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Buchara

Anders als in Shiva bilden die Sehenswürdigkeiten Bucharas keinen abgeschlossenen Stadtbezirk. Sie liegen zwar eng beieinander, so daß man sie leicht an einem Vormittag durchlaufen kann, aber es gibt bewohnte Straßenzüge und den Bazar dazwischen. Man hat nicht den Eindruck in einem Museum zu sein.

Aber hier, in Buchara, kann man die negativen Seiten des Tourismus in Länder mit relativ niedrigem Entwicklungsstand nicht mehr übersehen: jeder will daran verdienen und sei es mit Betteln. Bettelnde Kinder, bettelnde Mütter mit Kleinkinder auf dem Arm sehe ich auf unserer Reise hier zum ersten mal.

Ein Junge wäscht mein Auto. Als ich das sehe, gehe ich hin und frage ihn was er dafür haben will. Er sagt 3000, ich stimme zu. Kaum ist er fertig, will er aber 5000. Die kriegt er natürlich nicht.

Im Prinzip gilt: du mußt um alles handeln und immer den Preis vorher ausmachen. Wir gehen in ein Restaurant um Tee zu trinken. Was kostet der? Zusammen 2000. Beim Verlassen des Restaurants sind es dann doch plötzlich 3000. Wie das? Ja: 1000 kostet der Eintritt. Wir zahlen 2000, im Zweifel verstehen wir nichts und gehen lächelnd unseres Weges.

Nie ein Taxi besteigen, ohne vorher den Preis auszuhandeln. Immer erst fragen, was kostet diese Flasche Wasser, was kostet jenes Essen. Es gibt auf dem freien Markt keine Festpreise. Nie den ersten Preis akzeptieren, immer versuchen runterzuhandeln. Tust du das nicht, wird sofort der Preis weiter erhöht, nachdem du ihn bereits akzeptiert hast. Ist das fair?</>

Anderseits hat Buchara`s Altstadt einen sehr schönen Stadtkern um den Labi-Hauz, ein künstlichen See herum gelegen mit einigen, gut besuchten, Restaurants wo es unter hohen Bäumen gutes Essen und gutes Bier zu niedrigen Preisen gibt. Wir treffen hier auch alte Bekannte wieder, die Londoner Reisegruppe aus Shiva zum Beispiel.

 

Samstag 23.06.07
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Buchara - Samarkand

Bei unserer Weiterfahrt nach Samarkand machen wir mal wieder einen Abstecher, diesmal nach Osten, an die Geburtsstadt Timurs, der die Nachfolge der Mongolenreiches in Zentralasien angetreten hat. Dieser Timur war bis vor kurzem noch wegen seiner Grausamkeit berüchtigt, wird in letzter Zeit aber vom offiziellen Usbekistan mehr und mehr als Held aufgebaut.

Schon wurde die Schulbücher an den entsprechenden Passagen auf Druck von Oben geändert. In seiner Geburtsort hatte man ihm bereits zur Sowjetzeit ein Denkmal errichtet.

Bei oberflächlichem Hinschauen fällt auf, daß der steinernen Timur keineswegs mongolische Gesichtszüge hat, sondern meiner Meinung nach Genosse Lenin nicht unähnlich sieht.

Von hier aus fahren wir durch ein Gebirge nach Samarkand. Gebirgsbäche lassen in engen Tälern kleine Oasen entstehen. Gemüsegärten und Obstbäume laden für eine kurze Rast. Wir suchen uns eine passende Stelle, legen uns ins angenehm frische Wasser und schon kommt von irgendwoher ein Junge, mit einer Schale kleiner süsser Kirschen, ohne dafür die Hand aufzuhalten. Der Segen des Tourismus konzentriert sich zum Glück nur auf ausgetretene Pfad.

 

Sonntag 24.06.07

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Samarkand ist eine mittelgroße Stadt, der Tourismus nicht die Haupteinnahmequelle, obwohl Samarkand mit dem Registan ein wirklich gut erhaltene Sehenswürdigkeit besitzt.

Leider läßt sich hier aber auch das unselige Wirken Timurs nicht unter den Tisch kehren. Er hat die gesamte alte Stadt aus der Frühzeit der Seitenstraße schleifen lassen in seinem Bestreben alle und alles dem Islam zu unterwerfen. Wie sehr sich doch die christliche und islamische Religion jener Zeit im Umgang mit andersdenkenden Kulturen gleichen.

Jedenfalls hat man auf den Trümmern den Friedhof errichtet der heute ebenfalls zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt gehört.

Wir wohnen für 20US$ pro Nacht in einer bescheidenen Unterkunft mit einem großen Maulbeerbaum vor unserer Zimmertüre. Morgens gibt es Marmelade aus seinen Früchten zum Frühstück. Schmeckt wirklich gut, erinnert etwas an Brombeere, nicht ganz so süß.

 

Montag 25.06.07

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Samarkand

Bei einem Restaurantbesuch, schräg gegenüber des Registan, hören wir plötzlich Klänge, die uns an die Muschelhörner lamaistischer Mönche in Tibet erinnern. Es handelt sich um ein traditionelles Instrument, daß heute noch bei Hochzeiten zum Einsatz kommt. Geheiratet wird vorzugsweise im Sommer. Der Trubel muß ganz in der Nähe sein und wir schauen mal vorbei, wie man hier so heiratet. Es handelt sich um eine wahrhaft große Feier. Ich schätze mal es werden mehr als 200 Gäste sein, die da unter Baldachinen auf abgeschlossenem Gelände beköstigt werden. Das Brautpaar, sie ganz in weis, er in einem schwarzen Smoking , tafeln auf einer aufwendig dekorierten Bühne. Auf einer anderen Bühne wird Lifemusik gespielt. Ein Schlagzeug, weitere Rhythmusinstrumente und ein Sänger. Während des Essens wird das Brautpaar und besondere Gäste ständig auf eine Grossleinwand übertragen. Dafür laufen zwei Videoteams zwischen den Tischen hindurch und nehmen auf.

Günter steht nicht lange am Eingang dieses Hochzeitspalastes, da werden wir auch schon gebeten Gast zu sein. Es ist der jüngere Bruder des Bräutigams, der genug Englisch spricht. Wir lassen uns von ihm an einen freien Tisch führen. Nicht lange danach müssen wir essen, was das Zeug hält. Dabei hatten wir gerade erst eine Suppe gegessen.

Während des Essens gehen Schausteller durch die Reihen, Zauberer, Stelzenläufer, Bauchtänzerinnen und lassen sich von den Gästen direkt bezahlen. Immer wird von Kellnern auch Wodka angeboten, obwohl es sich um eine islamische Hochzeitsgesellschaft handelt. Genaugenommen sind es Tatschiken, die hier heiraten. Nein, so erfahre ich, die Tatschiken sind kein Turkvolk, sondern Indisch-Iranischen Ursprungs. Deshalb sei die Musik auch iranischer Herkunft.

Gerade proste ich dem Polizeioffizier zu, als unerwartet die Musik aussetzt. Aus dem Augenwinkel erkenne ich auf der Grossleinwand Günter mit dem Mikro in der Hand vor der Bühne. Oh Schreck!! Auf unserer letzten gemeinsamen Hochzeitsfeier vor einigen Jahren bei mongolischen Nomaden hat er ein deutsches Seemannslied zum Besten gegeben. Ich glaube damals war auch Wodka im Spiel. Nur das nicht!

Ich greife noch schnell meinen Fotoapparat und vorbei an der Bauchtänzerin, die mich gerade zur Kasse bitten will, nach Vorne. Nein, diesmal ist es kein Lied. Günter beglückwünscht als Vertreter der internationalen Öffentlichkeit das Brautpaar. Ich glaube es war auf Englisch.

Gegen zwei Uhr sind wir zu Hause.

Den nächsten Tag lassen wir etwas ruhiger angehen. Am Abend hören wir von weitem wieder dieses Instrument. Tatsächlich noch eine Hochzeitsfeier. Bei Usbeken ist es üblich so pompös zu heiraten, unter 200 Gästen läuft da nichts. In diesem Hochzeitspalast findet im Sommer jeden Abend eine Hochzeit statt. Solltet ihr mal zu dieser Jahreszeit in Samarkand sein, lasst Mittagessen und Abendessen ausfallen, geht statt dessen in den Hochzeizspalast. Ich wette es wird gerade mal wieder geheiratet und ihr seid als ausländische Gäste gerne willkommen. Vorsichtshalber solltet ihr ein Lied eingeübt oder eine kleine Ansprache im Ärmel haben. Es lohnt sich. Ihr braucht kein schlechtes Gewissen zu haben, es wird am Ende viel weggeschmissen. Selbst die Zaungäste, die nachher die Reste von den Tischen sammeln, lassen noch genug übrig. Wir setzen diesmal aus.

 

Dienstag 26.06.07

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Samarkand - Taschkent

Leider mußten wir feststellen, daß man uns das Auto aufgebrochen hat. Zum Glück fehlt nur das, was von Außen sichtbar war: ein Objektiv und ein Akkuladegerät. Der Fahrerspiegel wurde beschädigt und ein Aufkleber abgerissen. Vielleicht nur ein Racheakt dreier Jungen, die Günter gestern beim Betteln stark bedrängten und ihm bis vor unsere Zimmertüre folgten.

Noch etwas über die Situation an den Tankstellen. Obwohl zur Zeit Knappheit an Benzin und Diesel herrscht, sehen die Leute keinen Anlaß Treibstoff zu sparen. An den Tankstellen werden aus welchem Grund auch immer, die Zapfhähne nicht in die Säule gehängt sondern irgendwohin. Dann geht man zur Kasse, kauft 30 Liter. Nachdem man den Zapfhahn in die Tanköffnung gehängt hat gibt man dem Tankwart an der Kasse ein Zeichen und der läßt dann laufen. Sollten keine 30 Liter in den Tank passen, mußt du dich schon sehr anstrengen, damit der Mann an der Kasse den Hahn zudreht. Es stört hier keinen, wenn der Treibstoff einfach auf den Boden läuft. Geld zurück gibt es auch nicht. Lieber ein paar Liter weniger tanken.

Taschkent, die Hauptstadt Usbekistans, könnte man durchaus als südeuropäische Metropole ansehen. Man findet so ziemlich alles, was es auch in unseren Städten gibt. Einkaufsstraßen, Kinopaläste, Restaurants, aber auch die hier üblichen Bazare. Zahlreiche Kanäle führen schnellfließendes Wasser. Unter hohen Bäumen am Ufer treffen sich Jugendliche. Bei diesen sommerlichen Temperaturen nutzen sie das Wasser um sich abzukühlen. Manche wagen den Sprung von einer der zahlreichen Brücken in das kühle Naß. Ich wette, mein Sohn Lukas wäre mit einem Salto dabei.

Ich würde lieber den großen Stausee am Rande der Stadt besuchen. Sandstrände mit Liegestühlen und Strandkörben, Strandvolleyball, Federball alles, womit man den Sommer verschönen kann findet sich hier. Auch einen Golfclub gibt es hier am Stausee.

Die usbekische Autoindustrie und ein Flugzeugwerk haben sich in der Stadt angesiedelt und geben vielen Menschen Arbeit. Wer will kann sich mit dem Auto in dem üblichen Taxi/Transportgeschäft Geld nebenher verdienen, was für fast alle Menschen nötig ist.

Der Islam prägt das Stadtbild weit weniger als in den anderen Städten Zentralasiens, die Männer und Frauen sind überwiegend europäisch gekleidet. Es leben eine große Zahl Russen in der Stadt, sie praktizieren orthodoxe Christentum und Judentum. Vor unserem Hotel steht eine Synagoge die noch von Gläubigen besucht wird. Es gibt eine große Koreanische Minderheit in Taschkent, Menschen die vor dem Krieg in Korea hierher flohen und ansässig blieben. Sie sind allesamt Anhänger des Buddhismus. Dazwischen immer wieder Tartaren, Usbeken, Kirgisen.

Somit repräsentiert das Leben in Taschkent viel mehr die klassische Kultur der Seidenstrasse, als die glänzenden Kuppeln islamischer Architektur anderen Städten Zentralasiens.

 

Mittwoch 27.06.07

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Von Taschkent ins Kirgisische Qsh fahren wir durch das Ferganatal. Die Straße nach Osh kreuzt hier die Rauschgiftschmuggelroute aus Afghanistan über Tatschikistan nach Russland. Dieses Gebiet wird von usbekischen Beamten mit Unterstützung der UN überwacht. Ausländer benötigen eine besondere Erlaubnis um durch diese Region reisen zu dürfen und es wird allgemein geraten, sich wegen der zahlreichen, intensiven Kontrollen durch das Militär einen usbekischen Führer zu nehmen.

Also fahren wir in Begleitung eines Usbeken durch das Ferganatal zur Grenze nach Kirgistan. Tatsächlich sind die Kontrollen jetzt noch häufiger und auch wir, als Ausländer müssen uns an jedem dieser Posten registrieren lassen. Und wieder bewahrheitet sich was bereits vorher bemerkt: Der einheimische Mitfahrer regt bei den Beamten erst recht die Neugier an. Alleine kommt man besser zurecht.

Das enge Ferganatal. war sicher einmal sehr reizvoll. Es hat aber unter dem Bau und der Unterhaltung der breiten Straße merklich gelitten. Von Romantik und Beschaulichkeit merken wir nicht mehr viel. Schöner wird die Gegend erst hinter dem Tal. Hier ist es überwiegend grün und es wachsen viele Arten Obst, die wir sonst nur aus noch südlicheren Gebieten kennen.

Die wirklich alpinen Gegenden Usbekistans, die sich bei immer mehr Treckingtouristen zunehmender Beliebtheit erfreuen, liegen bereits auf dem Staatsgebiet Kirgistans. Diese zwei oder drei Enklaven stellen seit der Unabhängigkeit einen Zankapfel zwischen den beiden Republiken dar. Warum und wieso man es nicht geschafft hat nach dem Ende der Sowjetunion dieses Problem zu lösen ist mir nicht klar.

Während der Fahrt nach Osh kommen wir mit unserem Begleiter ins Gespräch. Wir erfahren von ihm einiges über die Gebräuche der Menschen des Landes, das uns doch einigermaßen erstaunt. Zum Beispiel wird er, gerade 30 Jahre alt, mit abgeschlossener Universitätsausbildung, nur eine Frau heiraten, die seinen Eltern genehm ist. Zwar würde heute der Partner nicht mehr unbedingt von den Eltern ausgesucht, aber wenn dies geschieht, würden sich die jungen Leute nicht dagegen wehren.

Auf unser Erlebnis mit Hochzeitsfeiern in Taschkent angesprochen sagte er lachend: 200 Gäste seien bei einer Hochzeitsfeier absolut normal. Auch wenn er entschlossen ist eine kleine Hochzeitsfeier zu veranstalten, würde sich das lediglich auf die Dauer der Feierlichkeiten beziehen, nicht auf die Zahl der Gäste. Er würde seine Gäste nur für einen Tag zu Tisch bitten.

Die Grenzstation Usbekistans nach Kirgistan ist weitaus modernen eingerichtet und professioneller geführt als die bei der Einreise aus Turkmenistan, in der Wüste. Es gibt Computer und ein ausgemustertes Durchleuchtungsgerät für Gepäck aus der EU.

Dennoch werde ich bei den ganzen Grenzen hinter der Türkei das Gefühl nicht los, es gibt kein einheitlich geregeltes Verfahren für die Abfertigung von Touristen die mit dem eigenen Fahrzeug reisen. Die Reihenfolge, in der die einzelnen Stationen durchlaufen werden sollen, ist scheinbar nicht geklärt. So wird man von der ersten Paßkontrolle zum Zoll geschickt, obwohl die angeblich notwendige Registrierung des Fahrzeuges noch nicht abgeschlossen war.

Das führt zu einigem hin und her. Günter, der alle Papiere unter seiner Kontrolle hält, was sich bei meinem eher nachlässigen Verhältnis zu Zolldokumenten durchaus bewährt hat, geht mit allen Unterlagen durch den Zoll, während ich noch mal zurück muß um das Auto registrieren zu lassen. Dann stehe ich ohne Paß da. Ohne Paß keine Möglichkeit zur Fahrzeugkontrolle zu kommen.
Bei dieser Prozedur macht sich unser Usbeke jetzt doch bezahlt. ich bin über seine Unterstützung dankbar.

Anders gestaltete sich Einreise nach Kirgistan. Hier werden die Formalitäten so locker gehandhabt, daß uns das eigentlich hätte verdächtig vorkommen müssen. Vielleicht wegen der bereits vorgerückten Stunde brauchen wir keine Zolldeklaration auszufüllen, es gibt auch keinen Eintrag des Fahrzeuges in meinen Pass, die Fahrzeugkontrolle fällt ganz aus. Wir sind einfach nur froh, alles so leicht hinter uns zu bringen und stellen keine Fragen.

Kirgistan ist für uns nur Transitland. Nach einer Übernachtung in Osh werden wir den Weg über den 3500 Meter Hohen Talykepass durch das Pamirgebirge nach China zurücklegen. Die Straßen sollen sehr schlecht sein, die 350 Kilometer von Osh über den Pass nicht unter zehn Stunden zu bewältigen sein. Nachtfahrten seien ausgeschlossen. Diese Tatsachen, und weil die chinesische Grenze nur Vormittags geöffnet ist, sorgen für eine weitere Übernachtung in über 3000 Metern Höhe, 80 Kilometer vor der Grenze nach China. Außerdem empfiehlt es sich nicht mit einem Fahrzeug alleine die schlechte, teils unbefestigte Strasse nach China zu befahren. Nachtfahrten seien ebenfalls ausgeschlossen.

Der Zeitdruck, der uns zwang alles Wesentliche der Reise im Voraus zu regeln, hat uns mal wieder jemanden beschert, der sich um uns kümmern muß. Diesmal ist es eine junge Tartarin, deren Name übersetzt Jade heißt. Jade spricht englisch und ist dabei Deutsch zu lernen. Jade gehört zu den Menschen mit extrem weisser Haut. Sie hat einen starken Sonnenbrand, was Günter dazu veranlaßt hat, ihr seine Sonnencreme zu schenken.

Günter und ich fragen uns: Was ist ein Tartar, wie wir uns schon früher gefragt haben, was ein Usbeke, was ein Tatschike, was ein Kirgise ist? Genau weiß das keiner. Kirgisen gehören eigentlich nicht zu den Turkvölkern, sie seien Indoeuropäischen Ursprungs, lesen wir. Tatschiken sind auch kein Turkvolk, sie gehören den Indoiranischen Völkern an. Aber woran man diese unterschiedlichen Völker erkennt, außer an der verschiedenen Kopfbedeckungen der alten Leute, weiß keiner.

Die Nacht verbringen wir in einem Gästehaus am Rande von Osh. Was wir bisher vom Osh, der zweitgrößten Stadt Kirgistans gesehen haben hat uns nicht dazu verleitet am Abend noch einmal in die Stadt zu gehen. Wir bleiben im Haus des Gastgebers mit dessen Familie und essen hier, in Kirgistan, zum erstenmal die Nationalspeise der Usbeken: Bloch, für mich einfach Reis mit Fleisch. Aber lecker!

Den rohen Salat hätten wir allerdings besser stehenlassen, aber hinterher ist man immer klüger. Die Nacht in dem Haus war dann alles andere als erholsam. Ich habe gelernt, daß Hähne schon viel früher als zu Beginn des Sonnenaufgangs anfangen zu krähen. Und dann nicht nur einer, sondern alle auf einmal. Irgendwann hören sie dann ebenso plötzlich auf, wie sie begonnen haben. Jetzt endlich schnell einschlafen. Da fängt irgendwo in der entfernten Vorstadt ein kleiner Köter mit heller Stimme an zu bellen. Und schon antworten alle Hunde im Umkreis von vielen Kilometern, bis es dann unerwartet abbricht. Die plötzliche Stille nutzt der Muetzin schnell vom Minarett aus über Lautsprecher seine Botschaft zu verkünden, bevor schließlich wieder irgendein Hahn anfängt zu krähen und so weiter. Zwischendurch höre ich wie Günter das Plumpsklo aufsucht, kurz es war keine angenehme Nacht.

 

Donnerstag 28.06.07

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Am nächsten Morgen wollen wir eigentlich früh los in die Berge, aber unser zweites Fahrzeug kann erst gegen Mittag starten und Jade fühlt sich wohl verpflichtet uns Osh zu zeigen. Nicht gerade erfreut willigen wir ein, vor allem weil wir bei dieser Gelegenheit noch Geld tauschen wollen.

Jades ungebrochener Ehrgeiz uns wenigstens das Wichtigste von Osh zu zeigen, stößt bei uns auf keine Gegenliebe. Osh ist bei uns beiden schon seit gestern unten durch und wir beabsichtigen nicht unsere Meinung zu überprüfen. „Hier möchte ich nicht tot überm Zaun hängen" sagt Günter. Ich frage mich was einem in Osh wohl besseres geschehen könnte, aber ich schweige. Dafür redet Jade um so mehr. Nein, wir wollen in kein Museum. Doch, Osh interessiert uns, aber wir pflegen immer erst hinterher das Wichtigste nachzulesen.

Irgendwie kommen wir dann doch auf interessantere Themen zu sprechen. In Kirgistan gibt es keine Rentenversicherung, die Kinder müssen ihre Eltern pflegen. Es ist zwar vom Gesetzgeber nicht erlaubt, aber Jade kennt mehrere Familien, in denen der Mann mehr als eine Frau hat, und diese Frauen stehen auch dazu.

Der Vormittag schleppt sich hin, um halb zwölf brechen wir dann endlich zu dem vereinbarten Treffpunkt auf. Unser zweites Fahrzeug ist noch nicht da und wir fahren schon mal los, nachdem Jade dies über Handy mit dem zweiten Fahrzeug abgeklärt hat.

Tatsächlich ist die Strasse das schlechteste was ich bisher erlebt habe. Die ehemals vorhandene Asphaltdecke ist überall durch Schlaglöcher und Bodenwellen unterbrochen. Immer wieder gibt es kleine Ausweichstellen neben der Strasse die aber auch nicht besser sind. Das schlimmste: Die Straße steigt nur wenig an. Es muß also am Ende doch sehr steil auf die 3500 Meter hoch gehen. Wir kurven nicht alleine über diese Straße, immer auf der Suche nach einem Weg ohne Schlaglöcher. Andere Fahrzeuge sind mit uns auf der Piste. LKWs kommen uns entgegen, überladene PKW`s überholen uns und alles ist mit undurchsichtigen Staubwolken verbunden.
Gegen 16 Uhr überholt uns unser zweites Fahrzeug. Unterwegs häufiger Baustellen. Die Chinesen haben Kirgistan die schweren Baumaschinen geschenkt, damit sie die Strasse bauen können.

Irgendwie erinnert mich die Landschaft um uns herum mehr und mehr an die Mongolei. Auch hier leben die Menschen vielfach in Jurten, auch hier scheint die Viehzucht ihr Hauptlebensunterhalt.

Das Fahren über diese Strasse ist wirklich Arbeit. Es geht über zwei niegrigere Pässe, bevor endlich der Talykepasss erreicht ist. Schließlich bin ich mit unserem Bus doch ganz zufrieden, Ich kann im 2. Gang zügiger die steilen Strecken bewältigen als der Mitsubishi mit Automatikgetriebe. Immer wieder müssen wir LKW`s im Schrittempo überholen, damit wir nicht an Fahrt verlieren.

Um 18 Uhr sind wir schließlich übern Berg. Jetzt geht es noch bis morgen Früh auf über 3200 Metern Höhe weiter, bis die Straße dann nach China hin abfallen wird. Aber zuerst werden wir in Talyke bei Bauern Übernachten. Hier treffen wir auf ein drittes Fahrzeug, einen Toyota, mit dem zwei Deutsche Touristen zur Grenze gebracht und eine Schweize Reisegruppe abgeholt werden soll.

 

Freitag 29.06.07

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Die Nacht war kalt, morgens um 6:00 sind es gerade noch 3 Grad über Null. Wir haben uns in einer Jurte zum Schlafen begeben. Die drei Lagen Decken haben nicht wirklich Wärme gehalten, dafür haben sie uns fast erdrückt.

Jetzt, in 3200 Metern Hoehe, haben die beiden anderen Dieselfahrzeuge merklich Schwierigkeiten Ihren Motor zu starten. Es ist eine ziemlich lange Stotterei, schwarzer Qualm kommt aus den Auspuffen, bis sie endlich rundlaufen. Die Fahrer lassen ihre Fahrzeuge während des Frühstücks laufen. Ich schalte unterdessen meine Standheizung an, die gleichzeitig den Motor vorheizt; warte eine halbe Stunde bis nach dem Frühstück und setze mich dann locker hinter das Steuer.

Alle Augen sind jetzt auf mich gerichtet. Ich weiß, der Bulli wird überall bestaunt. Immer wieder knieen die Leute vor ihm, um zu gucken ob er wirklich Allradantrieb hat, weil sie wegen des permanenten Allradantriebes die Zuschalter im Wagen vermissen. Unklar ist auch wo bei dem Bulli der Motor sitzt. Mann kennt den Motor vorne, zwischen Fahrer und Beifahrer oder den Mittelmotor des Mitsubishi, der immer wieder Probleme mit der Kühlung hat.

Also Bulli, versetz mich jetzt nicht. Unbemerkt schalte ich vorsichtshalber die zweite Batterie zu, glühe vor bis die Vorglühautomatik abschaltet und ohne Gas den Schlüssel rumdrehen.
Ahh. Sofort da. Ohne schwarzen Qualm. Gruss an Eberhard. Natürlich stehe ich jetzt im Mittelpunkt: Männer!
Die Fahrt geht los, die Straße wird nicht besser. Immer mal wieder weichen wir auf die paralellverlaufenden Pisten aus. Solange es trocken ist, kann man die besser befahren. Manchmal allerdings weichen sie weit von der eigentlichen Straße ab und führen auch nicht mehr zurück. Dann müssen wir bei Viehzüchtern nachfrage: Wo bitte geht's nach China?

Die Chinesen haben schon mal die Straße nach Kirgistan 30 Kilometer ausgebaut und jetzt endlich können wir wieder fahren. Zunächst bis zum Kirgisischen Zoll. Hier werden auch die Waren, die aus China kommen umgeladen auf kirgisische LKWs. Die Chinesen haben so einen Tick mit Fahrzeugen aus dem Ausland. Sie lassen nicht gerne fremde Autos ins Land und eigene aus dem Land. Warum weiß ich nicht.
Jedenfalls müssen wir jetzt für die nachlässige Einreise nach Kirgistan büßen. Unser Auto steht in keinem Paß. Wir haben keine internationale Zulassung. Wir haben keine Bescheinigung über einen Aidstest.

"Ja, das ist Kirgistan", sagt Jade bedauernd.

Punkt 1: wir haben den Nachweis des usbekischen Zolls mit unserem Fahrzeug aus Usbekistan nach Kirgistan ausgereist zu sein. Treffer!
Punkt 2: Ich behaupte, meine Zulassung sei international, schätze der Beamte hat noch nie eine gesehen. Treffer.
Punkt 3: Nirgendwo steht geschrieben, daß wir für die Einreise nach Kirgistan einen Aidstest machen müssen und außerdem sind wir ja in Kirgistan, wir wollen ausreisen. Stimmt, aber der Beamte klärt uns darüber auf, daß wir für die Einreise nach China einen Aidstest brauchen. Haben wir keinen muß er uns wieder ins Land lassen ohne gültige Papiere, da wir ja schon ausgereist sind. Wir stehen ziemlich betroffen da, ohne einen Aidstest läßt man uns nicht weiter. Das wäre dann das Ende unserer Reise.

"Warum das denn" fragt Jade. "Weißt du wie lange so ein Test dauert bis du eine Bescheinigung bekommst?" frage ich zurück. "Bei uns geht das schnell." sagt Jade. Und in der Tat sind uns die Kirgisen in Punkto Aidstest um einiges voraus. Der gleiche Beamte, der gerade unsere Pässe bearbeitet stellt gegen umgerechnet 2 Dollar pro Person eine Bescheinigung aus, daß wir nicht aidsinfiziert sind. Donnerwetter.
Wir sind durch. Ein Händedruck hier und da und schon geht's ab in Richtung China.

Hier erwartet uns Cong, unser Chinese: Gebrochenes Deutsch, kurze Hose, Schirmmütze, Überlebensset in der Bauchtasche und ungebrochen optimistisch. Mit ihm müssen wir jetzt vier Wochen durch China reisen, weil das so vom Chinesischen Staat verlangt wird.

Auf den ersten Blick erkennen wir, wir hätten es schlechter treffen können mit unserem Chinesen, wir waren da vorgewarnt. Solche Leute sind eher zwangsversetzt und nicht notwendigerweise an uns und unserer Fahrt interessiert.
Cong ist da aus anderem Holz. Er ist 28 Jahre alt und will lernen, wie man so eine Tour mit Ausländern am besten hinkriegt. Wir sind also Versuchskaninchen. Alles läuft prima, die Abfertigung ist zügig und wird professionell durchgeführt. Am Ende erklärt uns ein strahlender Beamter, alles sei in Ordnung, wir können unsere Reise fortsetzen, ohne Auto.

Davon hatten wir gehört. Reisende mit allen Papieren für die Einreise mit dem Auto werden nicht eingelassen. Das war immer unser unausgesprochener Alptraum..

Es dauerte und dauerte bis wir erst einmal herausgefunden hatten, warum es hakt: Die Bestimmungen seien geändert worden. Jetzt ist nicht mehr Peking für die Einreise mit dem Auto zuständig, sondern die jeweilige Provinz in die man einreisen will und das sei hier die Provinz Xinjiang. Was für ein Papier eigentlich fehlt weiß keiner.
Cong eilt von Büro zu Büro, kopiert Unterlagen, stellt Fragen um Bescheinigungen ausfüllen zu können. Von 14 Uhr bis 16 Uhr ist Mittagspause. Nirgendwo in China sei die Mittagspause so lang. Mittlerweile hat er nach Peking telefoniert. Auch dort sei einer in unserer Sache aktiv. Wann hat der Feierabend? Es ist Freitag und am Wochenende ist diese Grenze geschlossen. Cong ist etwas gestresst aber er arbeitet ungebrochen weiter.

Während der Mittagspause führt er uns ins Lager der LKW-Fahrer und wir essen hier unsere erste chinesische Nudelsuppe, auf die wir uns schon so lange gefreut hatten. Sollte die erste auch zugleich die letzte sein? Sollte unsere Fahrt wirklich hier zuende sein?

Günter löffelt schweigend seine Suppe, ich mühe mich mit den Stäbchen, mache es wie Cong und hebe die Schale zu meinem Mund. Dabei beobachte ich Ihn aus dem Augenwinkel. Wann wird er es sagen? Cong sieht mich über den Rand seiner Suppenschale an. Er scheint meine Gedanken zu erraten, stellt die Schale ab und sagt es: "Ja, das ist China!" Aber er sagt es anders als Alexander oder Jade, keineswegs verzweifelt und ohne den entschuldigenden Unterton in der Stimme wirft er den Kopf in den Nacken und lacht schallend, ja herausfordernd dabei: "Ja, das ist China" , wobei er mir aufmunternd auf die Schultern klopft.

Ja, so können wir es vielleicht schaffen.

Das Spiel geht weiter. Ich schätze es handelt sich um ein Kompetenzgerangel zwischen der hiesigen Provinzregierung und der Zentralen in Peking. Man will es denen da oben, 4000 Kilometer weiter im Osten, mal zeigen.
10 Minuten nach offiziellem Dienstschluß am Zoll kommt Cong mit einem Papier winkend aus einem Gebäude herausgelaufen. Das alles entscheidende Fax aus Peking. Jetzt weiß ich: wir haben es geschafft.

Fünf Minuten später sitzen wir drei im Bulli und fahren durch das Tianshan Gebirge zu Chinas westlichster Stadt: Kashgar. Die Abendsonne läßt die karge Mondlandschaft um uns herum in tausend Farben schimmern. Straßen so gut wie seit Europa nicht mehr. Hochstimmung!
Kaum zu glauben, wir sind mit unserem eigenen Bulli in China. Mit deutschen Nummernschildern und eigener Fahrerlaubnis. Wir brauchen keinen chinesischen Chauffeur.

Die verbleibenden Formalitäten, wie Fahrzeugzulassung und Führerscheinprüfung seien unbedeutend und können am Montag schnell erledigt werden klärt Cong uns auf. Bis dahin kann uns keiner was.

Kein Zweifel, er freut sich auf die Tour mit uns. Viele Ziele die wir anfahren werden sind auch für ihn neu.
Gegen 21:30 treffen wir in Chinas größter Oase ein. Wir sind in Kashgar!

 

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