Samstag 30.06.2007

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Kashgar

Kashgar ist Chinas westlichste Stadt. Sie liegt im äußersten Zipfel der Taklamakan, einer der größten Wüste der Erde. Im Westen trennt das Pamirgebírge diese Wüstenregion von Zentralasien, im Süden das Kunlungebirge von Tibet und im Norden das Tianshangebirge vom großen, eurasischen Steppengürtel. Ale drei Gebirge haben über 7000 Meter hohe Gipfel.

In den Weiten der Taklamakan gibt es keine Lebensmöglichkeit für Menschen. Aber da, wo Gebirgsflüsse in die Wüste fließen, sind zum Teil sehr große, fruchtbare Oasen entstanden. Hier haben sich Menschen schon vor vielen Jahrhunderten angesiedelt.

Ursprünglich waren es Angehörige der Turkvölker, die irgendwann vor langer Zeit aus dem Norden hier einwander- ten. Im Verlaufe der Geschichte bildeten sie Königreiche, die auch auf das Chinesische Kaiserreich Einfluß ausüb- ten, sogar Teile von ihm beherrschten. Viele dieser Turkvölker sind später nach Westen dem Druck einwandernder Völker ausgewichen. Sie kamen über Zentralasien bis in die Türkei.

Das Gebiet der Taklamakan wurde als Region Xinjiang: `neue Grenze` in das Chinesische Kaiserreich eingegliedert. Wann das genau war, ob vor 1000 oder erst vor 400 Jahren sei dahingestellt.

Die Frage ob diese Region heute zu Recht, oder zu Unrecht Bestandteil der Volksrepublik China ist, wird teils heftig diskutiert. Eines ist klar: völkerrechtlich ist diese Zugehörigkeit anerkannt. Das ist zwar auch in meinen Augen kein ausreichend gutes Argument, aber eine Position auf die ich mich zurückziehe, vor allem auch in Anbetracht der Tat- sache, daß China eine Unabhängigkeit Xinjiangs nie zulassen wird.

Als wir vor 20 Jahren Kashgar besuchten, war die Anreise äußerst beschwerlich. Aus China konnte man nur mit dem Zug in drei Tagen nach Turfan, einer Oase östlich von Kashgar und von dort aus mit dem Bus in weiteren drei Tagen über schlechte Straßen und holprige Wüstenpisten nach Kashgar gelangen. Ein anderer Weg, den wir damals gewählt hatten, war nicht weniger beschwerlich. Er führte aus dem Pakistanischen Ravalpindi mit dem Bus 5 Tage über den Karakorumhighway nach China.

Kashgar war in dieser Zeit noch mehrheitlich von Uiguren bewohnt. Es gab nur wenig Hanchinesen, keine Industrie und als einzige nennenswerte Sehenswürdigkeit für uns den Sonntagsmarkt. Jeden Sonntag kamen aus nah und fern alle möglichen Händler und Bauern nach Kashgar um ihre Waren anzubieten. Man konnte sich hier auf dem Markt die Zukunft lesen und die Haare schneiden lasen. Schmuck für die Hochzeit, Vieh, Bauholz für das Eigenheim kau- fen und dabei die unterschiedlichsten traditionellen Speisen zu sich nehmen. Es war mächtig was los in der Altstadt. Ale Nationalitäten der Region konnte man hier sehen, wie sie miteinander Handel trieben.

Unsere jetzige Fahrt haben wir bewußt so angelegt, daß wir einen Sonntag in Kashgar verbringen. Wir wollen sehen, ob es diesen Sonntagsmarkt noch gibt.

Von den kargen Bergen des Tianshan trifft man in die Randgebiete der Oase Kashgar ein. Die Straße ist beiderseits von zwei bis drei Reihen dicht stehender hoher Pappeln begrenzt, hin und wieder unterbrochen um Zugang zu Querwegen zu geben, an denen einstöckige, Lehmhäuser stehen, im chinesischen Stil, mit einem Eingang- stor, Innenhof und Fenstern zum Hof hin. Hinter diesen Häusern liegen bewässerte Felder an Wegen, die ebenfalls mit Pappeln bestanden sind. Diese schnellwachsenden Bäume stellen immer noch, neben den meist luftgetrockneten Lehmziegeln, den wichtigsten Baustoff für die Lehmhäuser dar und werden daher immer wieder neu angepflanzt.

Etwa 50 Kilometer vor der Stadt fahren wir auf eine Autobahn europäischen Stils auf. Es geht am Flughafenkreuz vorbei in Richtung Stadtmitte. Autobahn und Flughafen sind neu. Auch der Bahnhof ist neu und zeigt daß Kashgar jetzt an das Chinesische Verkehrsnetz angeschlossen ist.

Es gibt kein Zweifel mehr, Kashgar ist zu einer typischen Chinesenstadt geworden. Breite, vierspurige Straßen füh- ren durch das Zentrum, schreiende Reklame in übergroßen Chinesischen Zeichen an den Hauswänden, hektisches Gewimmel überall. Jetzt, zu einer Tageszeit zu der in Mari die Biergärten geschlossen werden und in Samarkand allenfalls noch geheiratet wird, fängt hier erst richtig das Leben an.

Bevor wir ins Hotel fahren, lassen wir uns noch von Mao begrüßen. Der uns mit ausgestreckter Hand die Richtung weist: nach Osten!

Der Hotelkomplex in dem Cong wohnt, besteht aus den üblichen drei Häusern je nach Qualität der Zimmer. Früher sind wir in die billigste Kategorie, Schlafsaal oder Dreibettzimmer abgestiegen, heute nehmen wir für 7 Euro/Nacht pro Person die mittlere Klasse: Zimmer mit Bad und Fernseher einschließlich Frühstück. Das Auto auf dem Parkplatz kostet extra 1 Euro pro Nacht.

Heute vor den Frühstück machen wir einen kleinen Rundgang vor unserem Hotel nur um mal wieder festzustellen, daß es in China keinen Sonntag gibt. Zwar haben die Ämter geschlossen und es ist schulfrei, aber wer will kann heute ohne Einschränkung seinen Laden öffnen oder andere Geschäften nachgehen, wie an jedem Werktag.

Was uns auffällt ist, daß das Zusammenleben zwischen Han und Minderheiten spannungsfrei abläuft. Zumindest in dem Bereich, in dem wir jetzt einen kleinen Einblick haben: auf der Straße, beim Kaufen und Verkaufen, Haarschneiden und Schuhputzern, zwischen Uigurischen und Chinesichen Garküchen. Was sich eventuell unter der Oberfläche abspielt können wir nicht beurteilen.

Wie in anderen großen chinesischen Städten kann man immer mehr dieser Morgenappelle auf den Straßen sehen, wie sie vor den Geschäften, Hotels und Restaurants durchgeführt werden. Stellt euch vor, euer Chef würde von euch verlangen, morgens, vor Öffnung des Geschäftes auf der Straße in aller Öffentlichkeit anzutreten um zu geloben heute alles noch besser als gestern zu machen. Die Chinesischen Passanten interessiert das schon gar nicht mehr. Sie gehen einfach ihres Weges. Nur wir, mit den Fotoapparaten lenken etwas ab.

Das chinesische Frühstück ist immer noch nicht ganz nach unserem Geschmack. Man ißt im Prinzip die gleichen warmen Gerichte wie Mittags und Abends. Cong würde jetzt protestieren: nicht das Gleiche, nur das, was morgens gesund und wichtig für den Tag ist. Wir lassen ihm sein Frühstück, holen unseren Kaffee, denn den können hier auch nur ganz wenige Leute richtig kochen, aber heißes Wasser, Kaischui bekommt man immer und ohne Kaffe und Milchpulver fahren wir nie nach China.

Später fahren wir mit dem Auto ein paar Sehenswürdigkeiten ab, die Kashgar zu bieten hat, eine alte Moschee und ein Mausoleum. Wir sind natürlich nicht die Einzigen bei diesen Sehenswürdigkeiten. Es herrscht ziemlicher Touri- stenrummel hier, aber wir mit unserem Auto sind fast die Hauptattraktion für die Touristen ebenso wie für die Ein- heimischen. Das ist vielleicht zunächst ganz amüsant, dann aber doch etwas hinderlich. Wir überlegen ob Cong nicht Führungen durch unser Auto anbieten könnte, um damit unsere Kasse etwas aufzubessern.

Am Abend im Stadtzentrum gehen wir zur zentralem Moschee. Hier hat man einen neuen großen Platz angelegt auf dem sich alles tummelt. Menschen gehen zum Beten in die Moschee, andere sehen sich an einem Stand ein Video an und von einer Riesenleinwand werden irgendwelche Minderheitentänze vorgeführt.

Was wir am Frühstück an Kalorien gespart haben ist so im Laufe des Tages schnell wieder aufgeholt.

 

Sonntag 01.07.2007

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In Kashgar

Für heute haben wir uns eine Grundreinigung unseres Bulli vorgenommen. Aber vorher wollen wir auf den Sonntagsmarkt. Der Himmel ist etwas bedeckt, die Temperatur steigt auf angenehme 32 Grad.

Der Bauernmarkt soll jetzt an einer anderen Stelle stattfinden als ursprünglich. Wir nehmen ein Taxi, weil wir nicht wollen, daß unser Auto wieder zur Hauptattraktion wird, und weil wir hoffen, der Taxifahrer kennt den Weg. Aber weit gefehlt. Weder Cong, noch der Taxifahrer haben je etwas von einem Sonntagsmarkt in Kashgar gehört, Der Taxifahrer ist Uigure und die Verständigung mit Cong scheint uns nicht gewährleistet. Also lassen wir uns von dem Mann an einen Ort fahren, der früher als Eingang zum Sonntagsmarkt galt.

Spätestens jetzt erkennen wir, unseren Sonntagsmarkt gibt es tatsächlich nicht mehr. Statt dessen wird heute jeden Tag Markt abgehalten, mehr nach den verschiedenen Handelsgütern aufgeteilt und weiter außerhalb der Stadt. In der Stadt gibt es nur noch den Bazar, am gleichen Ort wie früher.

Wir machen uns auf den Weg in die Altstadt. Die Pferdetaxis, mit denen wir uns damals durch die Stadt fahren ließen gibt es auch noch, aber für sie ist die Innenstadt verboten Also gehen wir zu Fuß.

Es gibt nach wie vor zwei Altstadtbezirke. Einer ist heute Museumsstadt. Wir sind mal ein paar Schritte hineingegangen, ohne an der Kasse zu bezahlen, nur um zu sehen was daraus geworden ist, aber bereits die Unzahl an Schildern: Vorsicht, nicht den Kopf stoßen, nicht stolpern, Fotografieren verboten usw. hat uns vor einem regulären Besuch abgeschreckt.

Die andere Altstadt liegt direkt gegenüber unseres Hotels. Hier ist alles so geblieben wie es war, selbst die einzelnen Häuser, die Günter vor 20 Jahren fotografiert hat, stehen noch wie damals. Ob man das romantisch nennen, oder die Menschen nicht doch eher bedauern soll, die hier in diesen Gemäuern leben gibt Stoff zur Diskussion mit anderen Reisenden am Abend in Johns Cafe neben unserem Hotel.

 

Montag 02.07.2007

Kashgar Yecheng auf der südlichen Route der Taklamakan

Ein wichtiger Tag für uns: Es geht um die Kfz-Zulassung unseres Autos in China und um unsere Führerscheine, die wir brauchen, um in China selbst ein Auto steuern zu dürfen.

Wenn es um Termine geht, muß man sich über die Zeit im Klaren sein. In ganz China gilt Pekingzeit. Da China aber mehrere Zeitzonen abdeckt, heißt das für Xinjiang, daß es eigentlich erst 8 Uhr ist, wenn die Uhr in Peking 10 Uhr anzeigt. Das wäre ja nicht so schlimm, wenn man sich wirklich auf eine Zeit geeinigt hätte, aber dem ist nicht so. Es sind zwei unterschiedlich Uhrzeiten in Gebrauch und es empfiehlt sich genau nachzufragen welche gemeint ist.
Die Ämter und Behörden halten sich an die Pekinger Zeit, in den Hotels und auf öffentlichen Plätzen wird aber die Xinjiangzeit angegeben.

Wir fahren also mit Cong nach Pekinger Zeit raus zum Flughafen, denn dort sitzt die Kfz-Behörde Kashgars. Zuerst muß unser Bulli durch den TÜV. Davon hatte ich keine Ahnung. Was, wenn der einen Mangel entdeckt, zum Beispiel, daß meine Hupe einen Wackelkontakt hat, der Auspuff nach dem Geholpere über die Pässe Kirgistans etwas laut ist, und die Bremse nach all dem Staub ein kratzendes Geräusch macht?

Der Chinesische TÜV ist vom Deutschen TÜV organisiert. Das merkt man. Es gibt hier in Kashgar eine Prüfbahn mit neuester Technik für PKW und eine für LKW parallel in einer Halle. Ein Mitarbeiter setzt sich ans Steuer und fährt über die Prüfstrecke. Die Hupe tut es, der röhrende Auspuff und die Geräusche der Bremse gehen in dem allgemeinen Krach vom LKW-Band unter. Wir erhalte ein Prüfsiegel, das ich an die Innenseite der Windschutzscheibe kleben muß. Es gilt für ein Jahr.
Chinesische Fahrzeuge müssen jährlich zum TÜV. LKW`s halbjährlich. In China sieht man keine Schrottautos auf den Straßen, wie im Iran.

Jetzt gibt es Probleme. Die Fahrgestellnummer ist auf einer Plakette an der Beifahrertüre befestigt. Es gibt sie aber auch eingestanzt im Motorraum. Ein Mitarbeiter geht herum und nimmt einen Abdruck dieser eingestanzten Nummern von allen Fahrzeugen mit bestandener Prüfung.

Um zu unserer eingestanzten Nummer im Motorraum zu kommen müssen wir einiges an Ersatzteilen und anderem Kram über dem Motor wegräumen. Außerdem ist die gestanzte Nummer so unzugänglich, daß ein Abdruck nicht zu machen ist. Deshalb behaupte ich einfach mein Auto hat keine eingestanzte Fahrgestellnummer. Das glaubt mir keiner. Einmal gesagt, kann ich nicht einfach so widerrufen. Jetzt muß Cong wieder an die Arbeit. Das auszubügeln war nicht leicht. Aber es hat geklappt. Unser Auto ist für chinesische Straßen zugelassen. Mit unseren einheimischen Kennzeichen. Schade, ich hätte gerne ein chinesisches Kennzeichen mit nach hause gebracht.

Jetzt zu unseren Führerschein. Wir müssen zurück in die Stadt, ins Volkskrankenhaus für einen Gesundheitscheck. Dort angekommen staune ich nicht schlecht. Wir müssen tatsächlich alle Stationen durchlaufen. Wieder zeigt sich das Talent der Chinesen zu drängeln. Keine Schlange war Cong zu lang. Immer hat er sich vorgedrängt mit unserem Anliegen, von ganz oben hinten reicht er irgendwelche Papiere in einen Schalter und argumentiert dabei laut. Ich stelle mir vor, wie weit er damit in einem Deutschen Krankenhaus gekommen wäre. Ich hätte ihn als Oberarzt rausgeschmissen. Aber hier zieht die Nummer. Trotz berechtigter Proteste der anderen wartenden Patienten. Zwischendurch läßt Cong uns immer mal wieder irgendwo absitzen und ausharren während er verschwindet.
Dann wieder bitte folgen, eine Röntgenaufnahme beim Internist, eine Ultraschalluntersuchung und ein EKG. Die Augenärzte führten einen Sehtest durch und dann bitte mal den Mund weit auf, der Zahnarzt wirft einen Blick hinein. Das war es. Hat vier Stunden gedauert.
Die letztliche Analyse, ob wir nun gesund sind oder nicht, machen dann die Damen von Führerscheinkomitee auf Grund der Daten vom Volkskrankenhaus. Wir bekommen dieses Zeugnis mit der Auflage uns gesund zu halten und das Zeugnis einmal jährlich erneuern zu lassen und vorzulegen.

Die eigentliche Fahrprüfung bestand dann nur darin, einmal im Kreis zu fahren, rückwärts einzuparken und zurückzufahren. Ohne Fehlerpunkte geschafft.

Obwohl es schon 18 Uhr ist machen wir uns auf den Weg aus Kashgar in die Wüste. Wir haben gelesen, das der Nordrand der Taklamakan schon sehr industrialisiert ist, vor allem wegen der Bodenschätze, die man dort gefunden hat.
Deshalb wollen wir zunächst etwa 500 Kilometer an der Südseite der Taklamakan entlang reisen. Dann quer durch die Wüste zur Nordroute.

Heute kommen wir wegen der vorgerückten Stunde nur bis XXXXX, einer typischen chinesischen Kleinstadt. Cong findet schnell ein Hotel, was mir recht schwer fällt, weil das Chinesiche mehr Begriffe für Hotel hat, als ich gelernt habe.

Auf dem Markt hier gibt es Fisch zu essen. Seine beiden Hälften werden auseinander gespreizt auf einige Metallstäbe aufgespießt und aufrecht um ein Feuer herum angeordnet gegrillt. Cong hält Fisch für genau die richtige Speise vor dem Schlafengehen nach so einem anstrengendem Tag, vielleicht noch mit einer passenden Suppe: Suanlatang wäre da zu empfehlen, die findet er hier aber nicht. Es bleibt bei einem Fisch für uns alle.
Selbst Cong ist nicht in der Lage zu sagen was genau das für ein Fisch ist, und woher die ihn hier, in der Wüste haben. Günter tippt auf so etwas wie Forelle, nur deutlich größer und mit viel weniger Gräten. Auf jeden Fall schmeckt er wirklich gut und ist auch ohne Suppe ausreichend für alle.

 

Dienstag 03.07.2007

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Yecheng nach Osten bis Mingfang

Entlang der Wüste ist hier wie mitten durch die Wüste, nur Sand beiderseits der Straße, in regelmäßigen Abständen unterbrochen von Oasen.
Die Straße ist zweispurig und sehr gut ausgebaut mit Mittel- und Randstreifen aber ohne Randbegrenzung. Morgens so gegen 10 Uhr Pekingzeit etwa 8 Uhr Ortszeit läßt sich die Straße wunderbar befahren.

Die Luft ist leider ein wenig trüb, wegen des vielen Sandstaubs. Günter hadert ein wenig weil sich das nicht gut auf seinen Fotos macht. "Die sollten hier mal unsere Feinstaubbelastungskontrolleure einführen. Dann wären wir sie los und die hier würden schnell wieder auf die Kamele klettern." Ich: "Der Staub hier kommt ja wohl nicht von den paar Lkws. Industrieanlagen kann ich hier auch keine finden."
"Na und, meinst du bei uns kommt der Feinstaub mehrheitlich von den Autoabgasen?"

Cong ernsthaft: "Nein nicht Staubkontrolleure da vorne, Polizeikontrolleure." Sein Deutsch kommt uns manchmal spanisch vor.
Aber tatsächlich, Polizeikontrollen gibtes hier auch. Eingangs oder am Ausgang jeder Oase stehen sie, sind aber mehr an den oft hoffnungslos überladenen Lkws interessiert, von denen der Ein- oder Andere auf eine mobile Wage muß. Eigentlich Schade. Jetzt haben wir mit so viel Mühe chinesische Papiere bekommen und keiner will sie sehen.

So eine Oase, wenn sie nicht gerade die Größe einer Kleinstadt hat sondern vorwiegend ländlichen Charakter, wie die meisten, kündigt sich immer schon durch einen Streifen hoher Pappeln am Horizont an. Im Näherkommen öffnet sich eine Gasse, da wo die Straße hineinführt. Pappeln säumen die Straße, die immer geradeaus verläuft. Nach ein oder zwei Kilometern lichten sich die Pappeln und hinter der zweiten oder dritten Reihe stehen einstöckige Lehmhäuser. Man sieht eigentlich nur die Außenmauern und eine besonders herausgearbeitete, in Holz gefaßte Ein- gangstüre. Da die Straße etwas erhöht auf einen Damm verläuft hat man einen kleinen Einblick in das Innenleben. Dort steht ein Wohnhaus an die Mauer gelehnt und eine paar Stallungen für die Tiere.

Wird so ein Hof mal ausgebessert, werden die erforderlichen Lehmziegel unmittelbar vor dem Gebäude in langen Reihen zum trocknen aufgestellt. Ein einfaches Baumaterial das auch gut isoliert, aber nach mehreren heftigen Regenfällen sehen die Häuser doch sehr mitgenommen aus.

In der Mitte der Oase wird es lebhaft. Eselskarren und dreirädrige motorisierte Transportfahrzeuge, kreuzen die Straße, deren Rand von Ständen gesäumt ist. Es gibt jede Menge Obst und zum Glück immer auch Trinkwasser und Eis, aber auch Service für Autos und Reifen.
Die Überlandbusse die von den Einheimischen hier auch zu weiteren Reisen genutzt werden, machen Rast. Garküchen und Toaletten werden aufgesucht, man vertritt sich ein wenig die Beine.

Entweder kurz vor, oder hinter diesem Zentrum verläuft der kleine Fluß durch die Oase unter der Straße her, dem die Oase ihr Leben verdankt. Dann endet sie wie sie begonnen hat: in der Wüste.

Man sollte sich merken, in diesen Oasen gilt überall 40, bis diese Geschwindigkeitsgrenze durch ein Schild wie wir es auch kennen aufgehoben wird. Das erstaunlichste aber ist: alle halten sich dran, bis auf mich. Ich hab das nicht sofort geschnallt. Wieso fährt der LKW nach dem Zentrum, wo doch schon überhaupt nichts mehr los ist immer noch auf den Strich genau 40?

Am Ende der Oase, bei der Polizeikontrolle wußte ich es. Ich durfte erst mal rechts ran. Schnell die chinesische Zulassung und den Führerschein rausholen , Fenster runter und dem freundlichen Polizisten die Papiere entgegen gehalten. Der will sie aber nicht. So viel ich ihn verstehen kann redet er von unvorsichtigem Fahren und noch so was wie "unsere Bauern," und "unsere Kinder".
Cong hat schon bevor der Polizist irgendwas gesagt hatte seine Kappe ausgezogen, ganz zerknirscht, ich mache auch auf chinesisch, blicke schuldbewußt aus der Wäsche, Günter, der mich natürlich schon lange vorher gewarnt hatte, tut als ginge ihn das alles nichts an und berechnet die Kilometer bis zum nächsten Übernachtungsort.
Der Polizist fragt noch schnell ob unser Auto ein Mercedes sei, Cong antwortet "deguo dacong", - "ah duiduidui". Und wir dürfen weiterfahren.
Also, für unsere Bauern und Kinder in den Oasen nicht schneller als 40 fahren.

Etwa um 12 Uhr Pekingzeit also 10 Uhr Ortszeit meine ich der Wind hat zugenommen. Er kommt von den Bergen rechts von mir und bringt eine Menge Sand mit. Der feine Sand steigt in die Höhe und verstärkt den Eindruck von Dunst. Die schweren Sandkörner werden direkt über die Straße in höchstens 10 Zentimeter Höhe in immer breiter werdenden Bahnen über die Straße getrieben.

Ich erinnere mich gelesen zu haben, daß es sich um das gleiche Phänomen handelt, daß man in der Seefahrt als ablandigen Wind bezeichnet. Die riesigen Sandflächen in der Wüste heizen sich morgens schneller auf, als die bis zu 7000 Meter hohen Berghänge des Karakorum im Süden. Die Luft über der Wüste wird erhitzt und steigt hoch. Es entsteht ein Unterdruck über dem Wüstenboden, der durch die kühlere Luft der Berghänge die jetzt in die Wüste strömt ausgeglichen wird.
Nach drei, vier Stunden sind dann auch die Berge aufgeheizt, die Sonne kann wegen der vielen Sandpartikel in der Luft über der Wüste den Sand nicht mehr aufheizen und der Wüstenboden fängt an, sich wieder abzukühlen. Die Windströmung kehrt sich um.

Je nach Witterungslage, ob Wolken am Himmel sind oder nicht, fällt diese Strömung mehr oder weniger heftig aus. Die Chinesische Straßenverkehrsbehörde gibt folgenden Tipp: In solcher Situation nicht auf den näheren Bereich der Straße vor dem Auto schauen. Die breiten Sandbahnen die sich von einer Straßenseite auf die andere schieben bewirken beim ungeübten Fahrer ein verhängnisvolles Gegensteuern. Ich kann das bestätigen. Der Tipp der Behörde: Sich an den Strommasten die in immer gleichen Abstand an der Straße stehen orientieren.
Wir haben also so etwas wie einen Briggenweg im Wattenmeer. Ich halte mich lieber an den LKW vor mir. Wenn aber die Straße restlos überdeckt ist und genug Sand in der Luft die Sicht behindert, fällt die Entscheidung schwer, ob der dritte LKW vor mir nicht doch ein entgegenkommendes Fahrzeug ist.

Eine gute und eine böse Feststellung haben wir gemacht, die Gute: Es gibt ausreichend viele Tankstellen, in absolut gutem Zustand und mit Service. Die Treibstoffarten werden mit ihren Oktanzahlen auf den Säulen angegeben, wobei Diesel die Oktanzahl "0" hat. Nach der Zahl folgt unser Rautenzeichen. Die Dieselzapfsäule hat also folgende Aufschrift: "0#". Da muß man sich dann wieder wie im Iran gegen das Tankstellenpersonal durchsetzen. Die glauben uns nämlich den Diesel nicht.
Die schlechte Feststellung: Diesel ist doppelt so teuer wie von uns, unseren Informationen nach, kalkuliert. Er kostet ungefähr 50 Euro-Cent. Mit 24 Euro-Cent haben wir bereits großzügig gerechnet.
Was ich bei uns noch nie gesehen habe: wenn die Zapfsäule zum Beispiel 187 Yuan anzeigt, dann gibt der Tankwart, oder besser die Tankwartin, daß ist hier nämlich Frauenarbeit, auf einer Tastatur an der Säule 200Y an und der Tank wird auf 200Y aufgefüllt. Oder nicht, frage ich mich manchmal!

Wir haben jedenfalls für unsere morgige Wüstenüberquerung den Tank und noch zwei 20-Liter-Kanister zusätzlich voll gemacht.

Letzte Übernachtung für uns XXXXX. Hier wird uns für die Zimmer zum ersten Mal ein Ausländeraufschlag gemacht. Statt 5 Euro/Person müssen wir 7 Euro/Person zahlen.

 

Mittwoch 04.07.2007

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Ca. 40 Km westlich von Mingfang beginnt die Route durch die Wüste nach Luntai und von Luntai in den Westen nach Kuche.

Die Fahrt durch die Wüste. Darunter hatten wir uns so etwas wie ein kleines Abenteuer vorgestellt. Schließlich haben wir 2002 in den ARD gesehen, daß ein Fernsehteam wegen eines plötzlich hereinbrechenden schwarzen Sandsturms nur mit Mühe noch ein Militärzelt aufbauen konnten, indem man sich dann in Sicherheit brachte. Mir war das immer schon ein Rätsel, wie man bei einem Sandsturm im Zelt sicherer sein soll als im Auto. Auch in unserem Reiseführer wird vor dieser Strecke gewarnt. Niemals nur mit einem Fahrzeug. Am besten gar nicht.

Vielleicht war das vor vier Jahren noch so. Heute ist alles anders. Auf der gesamten Wüstenstrecke stehen im Abstand von 5 Kilometern kleine Wachhäuser mit knallrotem Dach. In diesen Häusern ist über das ganze Jahr ein Wächter oder ein Wächterehepaar untergebracht. Zu seinen Aufgaben gehört es, die sorgfältig in 20 Reihen beiderseits der Straße angepflanzten Saxaulbüsche zu gießen. Zu diesem Zweck ist entlang jeder dieser Reihen über 500 Kilometer ein Wasserschlauch eingegraben, der jede Pflanze mit Wasser versorgt. Jedes Häuschen hat einen Stromgenerator und ein oder zwei Fahrräder für die Wärter. Immer sind mindestens zwei Funkmaste für das Mobilfunknetz in Sichtweite.

Als dann noch auf der Mitte der Strecke eine Straßenkreuzung mit Tankstelle erscheint, in keiner seiner Karten vermerkt, ist Günter restlos desillusioniert. Sein Traum wie Sven Hedin, oder doch fast so wie der große Forscher, durch die Wüste Taklamakan zu reisen ist geplatzt.

Aber noch sind wir nicht durch die Wüste. Die Tankuhr steht auf Reserve. Wir haben aber noch 40 Liter. Darum haben wir an der Tankstelle in der Wüste nicht zugetankt. "Wie lange fährt das Auto eigentlich noch, wenn der Tankuhrzeiger auf rot steht?" fragt Günter jetzt am Steuer. "Weiß nicht. Probier es aus".

Dann war es so weit. Keine Leistung mehr, der Motor ist aus. Na gut, ich steige aus um aus den 20 Literkanistern hinten auf unseren Gepäckträger nachzutanken und merke sofort als ich einen hochhebe: Der ist so gut wie leer. Der andere auch. Wir haben sie zwar mit dem Fahrradschloss gegen Diebstahl gesichert, aber der Drehverschluß ist für jeden zugänglich und mit einem einfachen Schlauch läßt sich der Diesel leicht heraussaugen.
Wir haben vielleicht noch zehn Liter, mit der eisernen Reserve im Auto unter dem Hintersitz sind es noch etwa 20. Wir sind fast durch die Wüste und dürften es gerade so schaffen mit den 10 Litern. Glück gehabt.

Am Ende der Strecke stimmt erst recht nichts mehr mit unserer Karte überein. Ganze Dörfer, meist angelegt um Industrieanlagen wie Raffinerien und Ölfördereinrichtungen herum, sind auf unseren Karten nicht vermerkt. Cong fragt sich durch. Wir erreichen nach einiger Zeit die Hauptstraße und fahren noch 120 Kilometer nach Westen, um in der Oase Kuche zu übernachten.
Noch eine Überraschung: Es werden Straßengebühren verlangt für eine sicher ausgezeichnete Straße aber noch immer zweispurig, also weit entfernt von einer Autobahn, wenn auch der Bau der Gegenfahrbahn im nächsten Jahr beendet sein wird.

Alle diese Oasenstädte wie Kucha, Korla und Turfan werden in den jüngsten Reiseführer immer noch als romantische Oasenstädte beschrieben.
In Kucha können wir davon nichts mehr bemerken. Hier hat das moderne städtische Leben die vergangene Oasenromantik endgültig abgelöst. Hier finden sich auch, anders als an der Südroute wieder viele Chinesen. Der neue Reichtum an Bodenschätzen hat so etwas wie eine Goldrgräberstimmung unter den Chinesen ausgelöst.
Manche kommen von weit her, um hier, in dieser Region, ihr Glück zu versuchen. Arbeit gibt es genug. Überall wird gebaut. Straßen, Eisenbahnnetz, Telefonnetze, in der Ölbranche, auch im Tourismus kann man hier heute gutes Geld verdienen.

Wir steigen in Kucha wieder im üblichen Hotelkomplex in der mittleren Kategorie ab, neun Euro/Nacht/Person.

 

Donnerstag 05.07.2207

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In Kucha

Heute beim Frühstück versuche ich ein wenig mein Chinesisch aufzubessern. "Cong, da steht doch Fisch täglich billiger, oder?" "Neinneinein, Seefisch täglich billiger. Das bedeutet heute gekauft ist morgen schon billig übermorgen noch billiger". "Ist das der Fisch da in den Aquarien?" "Neineinein, das ist Flußfisch. Seefisch kommt verkühlt."
Jetzt Günter mit seiner Ader fürs Praktische: "Wie lange müssen wir denn hier die Zimmer buchen bis es den verkühlten Fisch umsonst gibt?"
Cong versteht nicht: "Wie lange wollen wir hier bleiben?"
Aber das ist schon interessant. Bei uns ist der Fisch täglich frisch, hier wird er täglich billiger. Schwindelt da einer?

Geld zu wechseln ist schwer geworden. In Kashgar standen sie noch vor dem Hotel: Chance your money, und rissen sich um Dollar und Euro, wie wir es aus früheren Zeiten gewohnt sind. Hier in Kucha wechseln selbst die Hotels keine amerikanischen Dollars um. Euro haben wir schon gar keine mitgebracht. Auch auf den Banken wechseln sie nicht gerne. Wenn man gar Travellerschecks umtauschen will muß man schon zur Bank of China, sonst geht nichts.

Es gibt in Kucha einiges zu sehen, viel ist es allerdings nicht, weshalb sich auch die Touristen etwas rar machen.
Es gibt da Reste einer alten Stadt und einige Grotten zu besichtigen. Wichtig ist, daß von hier ab der Buddhismus in der Seidenstraßenkultur erhalten blieb. Auch Nestorianer und Manichäismus haben sich noch gehalten, als anderswo der Islam sämtliche Spuren dieser Religionen erfolgreich ausrottete. In China gab es zwar auch Übergriffe islamischer Gläubiger denen nicht wenige der alten Zeugnisse anderer Religionen zum Opfer viel, aber es fehlte dem Islam der Rückhalt im Staat, den er anderswo genoß, um durchgreifenden Erfolg zu haben. Die Equidistanz staatlicher Institutionen allen Religionen gegenüber garantierte während des Kaiserreiches eine Gleichbehandlung der Religionen, sofern aus einer der Religionen oder Sekten keine Gefahr für den Bestand der jeweiligen Dynastie erwuchs, was oft genug tatsächlich der Fall war.

Außer durch den Islam haben die alten religiösen Kulturdenkmäler noch durch europäische Forscher gelitten, die die schönsten Kunstwerke in den Grotten einfach verbotener Weise von den Wänden schnitten und zum Beispiel nach Deutschland verschifften, wo vieles im zweiten Weltkrieg unwiederbringlich verloren ging.

Auch die roten Garden haben während der Kulturrevolution mit staatlicher Duldung vieles endgültig zerstört und einiges wurde ganz einfach durch den Zahn der Zeit allmählich abgetragen. Das liegt zum Teil an den verwendeten Baustoff en, wie luftgetrocknete Ziegelsteine, verbunden mit dem mangelnden Interesse der Chinesen an ihren historisch bedeutenden Kulturgütern.
Nicht vergessen sei, daß man bis in das 20. Jahrhundert hinein die alten Shangschriften aus dem 2. Jahrtausend vor Christus auf Schildkrötenpanzer zermahlt und als Arznei verkauft hat.

Erst seit einigen Jahrzehnten und auch aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus beginnt man in China mit der Re- staurierung dessen, was noch zu retten ist.

In Kucha ist davon nicht so viel geblieben um Touristenströme anzulocken. Die hölzernen Balustraden der alten Grotten, über die die Mönche einst in die jeweiligen Höhlen gelangten, wurden ziemlich lieblos durch Betonkonstruktionen ersetzt. Die Gemälde in den einzelnen Grotten sind so gründlich zerstört, daß ein Laie wie ich durch den gebliebenen Rest davon nicht in Begeisterung geraten kann oder gar Lust verspürt sich über dieses Thema weiterzuinformieren. Die Stadt bietet aber ein wenig Einblicke in das Leben einer Chinesischen Kleinstadt im Sog der Aufwärtsentwick- lung.

Es gibt da einen Stadtteil, den haben sie sich irgendwo in Europa oder Amerika abgeguckt und komplett neu aufgebaut. Hier haben Läden aller Art aufgemacht, Restaurants und ein Biergarten. Die Besitzerin dieses Biergartens, Xiauhung, ist vor drei Jahren aus dem 3500 Kilometer entfernten Henan hierher gekommen. Ihr Mann sei nach Heilongjiang, an die Grenze zu Russland gegangen, um Geld zu verdienen und hat dann nie wieder etwas von sich hören lassen. Sie saß mit den zwei Kindern alleine zu Hause, ohne Arbeit. Da hat sie sich zu diesem Schritt entschlossen.
Sie hat sich von der Bank hier Geld geliehen und dieses Lokal aufgemacht. Heute ist sie froh sich so entschieden zu haben. Ihren Kinder wird sie einmal einen Universitätsbesuch ermöglichen können.
Welche Sicherheiten sie der Bank denn für das geliehen Geld gegeben hat lasse ich sie von Cong fragen. Na, sie arbeitet doch und hat bald alles abgezahlt. Jetzt wollen sie ihr noch mehr Geld geben um ein Lokal aufzumachen, aber sie will erst alles zurückzahlen und dann neu überlegen. Ich gebe mich damit zufrieden.

Einer ihrer Mitarbeiter ist von Anfang an dabei. Er ist 25 Jahre alt, islamischen Glaubens und kommt aus der 800 Kilometer entfernten Hauptstadt Urumqi. Im nächsten Jahr hat er das Geld zusammen um in seiner Heimatstadt ein Studium beginnen zu können. Architektur wäre seine erste Wahl. Unter seinen Vorbildern sind auch Architekten aus Deutschland, über deren Arbeit in China er viel gelesen hat. Deshalb ist es auch sein Traum einmal in Deutschland studieren zu können.

Abends gehen wir in den Zentralpark. Hier trifft sich Groß und Klein zu später Stunde (Pekingzeit). Es gibt ein paar Hüpfburgen für die Kleinen, jede Menge Garküchen, nette Wasserspiele in heller Beleuchtung. In der Mitte des Platzes tanzen Paare zu Musik aus Boxen Standardtänze. Gleich nebenan sieht man ca 80 Leute in Formation wie bei uns im Fitneßclub die entsprechenden Schritte einüben. So hat jeder sein Vergnügen an diesem warmen Abend. Wir besuchen noch schnell die chinesische Variante vom Mac Donalds, natürlich abgekupfert, nur die Speisen dem chinesischen Geschmack angepaßt, aber nicht schlecht.

 

Freitag 06.07.2007

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Weiter nach Osten: von Kucha über Korla nach Turfan

Von Kucha geht es über die Landstraße nach Korla. Es ist wie erwartet ein Landstrich, der geprägt ist von der Förderung und Verarbeitung des schwarzen Goldes.

In dem Zusammenhang wird auch an der Infrastruktur gearbeitet, die gute kostenpflichtige Landstraße wird in naher Zukunft zur einer Fahrtrichtung der Autobahn, sobald die Gegenspur fertiggestellt ist. Immer wieder stehen Tankstellen an der Landstraße. Es konkurrieren privatwirtschaftlich organisierte, wie auch die BP, mit dem chinesischen Staatsunternehmen.
Tankstellen an denen vier Reihen a 8 Säulen angeschlossen sind. Wofür? Auf jeden Fall nimmt man an, daß der KFZ-Verkehr in nächster Zukunft stark zunehmen wird. Die Eisenbahnstrecke ist heute schon stark frequentiert, vor allem überlange Güterzüge mit zwei Loks fahren vor der Kulisse des Tianshan an uns vorüber.

Die Gegend lädt nicht zum Bleiben ein. Die schnelle Entwicklung des Landes hat der Umwelt nicht gut getan. Mit der Entsorgung von allem was so beim Bau von Straßen und Eisenbahnschienen, Arbeiterwohnungen und Industrieanlagen an Schutt, Resten und Maschinenteilen anfällt tun sich die Chinesen schwer. Sie machen es sich leicht, lassen alles da wo es ist. Zuerst der Aufbau.
Dabei ist dieser Schrott gar nicht mal das Schlimmste. Der ganze Dreck aus den Schloten der Fabriken und Kraftwerke, der sich wie ein dünner Dunsthauch mit dem Sandstaub in der Luft vermischt ist da schon weitaus schlimmer.

Die lauschige Oasenstadt Kuqa lädt zur Weiterfahrt nach Turfan ein. Ab hier über die fertiggestellte Autobahn. Wie in Deutschland, nur wesentlich freier. Da wirken die Schilder auf man zu einem Mindestabstand von 200 Meter zum Vordermann ermahnt wird etwas übertrieben. Wie lange noch?

Die Autobahn biegt schon nach wenigen Kilometern ins Gebirge ab, um abzukürzen. Vorbei ist es mit den Gedanken an Umweltschutz. Phantastische Landschaften säumen über 100 Kilometer die lehre Autobahn. Wir stellen einfach unser Auto am Seitenstreifen ab, wenn wir Fotografieren wollen.

Aus dem Gebirge kommend hat uns die Realität der Industriellen Entwicklung dieser Gegend schnell aus unserer Begeisterung für die Landschaft herausgerissen. Der Blick fällt endlos weit in die Turfansenke hinein. Schade, daß es so diesig ist. Wir stehen vor der zweittiefst gelegenen Region auf der Erde. Während wir noch in der Wüste immer Höhen über 1200 Metern gemessen hatten, fällt nun das Land aus dem Tianshan Gebirge mit über 7000 Meter hohen Gipfeln auf 154 Meter unter dem Meeresspiegel ab. Was das auf die Temperatur für Auswirkungen hat könnt Ihr euch denken.

Bis jetzt kamen wir mit Temperaturen unter 35 Grad selbst in der Wüste gut weg. Es war ja immer etwas bedeckt. Jetzt nützen die Wolken nichts mehr. Die Temperatur steigt auf 48 Grad. Gebannt schauen wir auf die Anzeige unseres geliehenen GPS Gerätes. Innerhalb von 50 Kilometern fällt die Anzeige von Passhöhe 2700 Meter auf 0 Meter. Dann bleibt sie stehen. schade, für Höhen unter 0 Meter ist sie nicht ausgerichtet. Warum auch, unser Freund Stephan, der uns das Gerät geliehen hat braucht es zum Segeln. Da kommen solche Höhen nicht vor.

„Na und, kommen beim segeln schon mal Höhen über null vor?” Günter wird immer ein wenig grantig, wenn er irgendwas nicht genau dokumentieren kann.

„Natürlich, wenn du zum Beispiel auf dem Titikakasee segelst!” Halte ich dagegen. „Ach ja, richtig, euer Turn neulich mit Pipi Langstrumpf”

Turfan ist noch etwas verschont von der Industrialisierung. Das liegt daran, daß man hier schon bevor das Erdöl entdeckt wurde ein wichtiges Produkt hergestellt hat: Turfan ist Chinas bedeutendstes Weinanbaugebiet. Die Weintrauben wachsen hier ebenerdig. Bekannt ist das Gebiet international aber weniger durch seinen Wein als durch die Rosinen, die aus den Trauben hergestellt werden. Bereits lange vor der Stadt fallen die Trockenspeicher auf. Einstöckige Gebäude aus luftgetrockneten Ziegeln die auf Lücke hochgemauert werden, damit der Wind hindurch wehen kann und die Trauben auf Holzgestellen schnell trocknet.

Unser Hotel in dem wir vor 20 Jahren hier abgestiegen sind gibt es noch, wenn man auch längst ein neues davorgestellt hat. Hier hängt eine Temperaturskala. Im Juli dem heißesten Monat des Jahres werden Höchsttemperaturen von 62 Grad im Schatten gemessen!

 

Samstag 07.07.2007

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Turfan

Turfan hat einiges an Sehenswürdigkeiten zu bieten. Das sind vor allem alte Grotten mit buddhistischen Wandmale- reien, zwei Ruinenstädte aus der Frühzeit der Seidenstraße, alte Gräber aus der Hanzeit, deren Körper weitgehend erhalten besichtigt werden können.

In Turfan fängt auch der organisierte Tourismus an. Die Eingangsbereich sind hochmodern gestaltet, mit Scannern, die den Code der Eintrittskarte einlesen und die Drehtüre freigeben. Hochtechnologie im Tourismusgeschäft, aber kein fließendes Wasser in den Lehmhütten der Bauern unmittelbar neben diesen Sehenswürdigkeiten. Die machen aber nicht den Eindruck als ob sie darunter litten.

Der Tourismus hat ihnen eine neue Einnahmequelle beschert. Sie spannen ihre Esel vor den Wagen mit einem Baldachin und fahren die Touristen so vor Sonne geschützt durch die Ruinen. Die Frauen verkaufen mundgerecht zugeschnittene Melonen und Wasser.
Ohnehin werden ihre Lehmhütten nicht mehr lange stehen. Überall in den Städten werden Wohnanlagen gebaut. Denen werden sie weichen müssen.

In Turfan kann ich mir endlich mal die Busse ansehen, mit denen die Chinesen durch das Land reisen. Es gibt solche, wie bei uns, allerdings unbekannte chinesische Marken. Und es gibt welche, die haben zwei Reihen niedriger Fenster übereinander. Solchen Bussen begegnet man hier immer und überall. Wie ich schon vermutet hatte handelt es sich bei der zweiten Art um Schlafbusse. So was gibt es bei uns nicht. Würde wohl auch nicht zugelassen. In dem Bus befinden sich drei Reihen Doppelbetten. Eine an jeder Seite und eine in der Mitte. Hier liegt man auf Pritschen und fährt. Sitzen kann man nicht, erst recht nicht, wenn man etwas größer ist als ein Chinese. Es gibt einige Privatunter- nehmen, die so das Reisen über weite Strecken Chinas durchführen. Das Unternehmen dessen Bus ich fotografiert habe fährt vom Kashgar südlich der Taklamakan nach Xining und Nördlich über Urumqi nach Kashgar zurück. Gesamtstrecke 5400 Kilometer. Das wäre mal ein Abenteuer.

 

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