Sonntag 08.07.2007

Vorschau

Vorschau

Vorschau

Vorschau


Tut mir leid, dieser Reisebericht ist mir durchgegangen. Ich füge ihn daher jetzt an dieser Stelle ein, damit der Reisebericht chronologisch bleibt

Turfan - Dunhuang

Insgesamt sind wir seit unserer Abreise aus Deutschland bis heute fast genau 13000 Kilometer gefahren. Davon innerhalb Chinas alleine rund 3000 Kilometer bis Turfan. Wir schätzen, daß wir bis Peking auf 10000 Kilometer innerhalb Chinas kommen, obwohl wir uns hier in China nur im Norden aufhalten und diesmal keinen Abstecher in den Süden machen. Das läßt so ein wenig von der Größe des Landes ahnen. China ist mit seinen 9,2 Millionen Qua- dratkilometern das dritt größte Land der Erde hinter Rußland und Kanada.

Um sich diese Ausmaße plastisch vorstellen zu können, sollte man die Umrisse der Volksrepublik China im Rahmen ihrer Breitengraden auf Europa projektieren. Liegt der westlichste Punkt Chinas auf die Westküste Irlands, dann läge der östlichste Punkt Chinas ungefähr 300 Kilometer östlich von Moskau. Der Nördlichste Punkt läge dann auf einer Höhe mit Helsinki und der südlichste würde im Süden Ägyptens, etwa bei Assuan liegen.
Bei diesen Ausmaßen kommen schon einige Kilometer zusammen, wenn man nicht die direkte Strecke von Kashgar nach Peking nimmt sondern noch dieses und jenes in Reichweite besichtigen will.

Wenn wir auf unseren 3000 Kilometern durch China eines bereits bewußt erfahren haben, dann ist es das Nebeneinander von hochentwickelten und unterentwickelten Bereichen. Das gilt einerseits regional: man fährt durch eine ländliche Oase und fühlt sich um Jahrhunderte zurückversetzt zwischen Eselskarren und Lastkamelen. Nur 50 Kilometer weiter kommt man in das Zentrum einer Oasenstadt und stellt fest, diese Stadt könnte so auch in Europa liegen.

Das gleiche gilt im funktionalen Bereich. Der Bauer in der Oase hat zwar keinen Traktor sondern erledigt die Arbeit auf den Feldern mit Ochs und Esel, aber dann hält er plötzlich inne, holt sein Handy aus der Tasche und beginnt heftig gestikulierend ein Gespräch. Er kocht auf einem Ofen, den er mit Kameldung anheizt, aber vor der Türe steht die Satellitenantenne und den Strom für das Fernsehgerät liefert ein Windkraftpark in der Wüste.

Ganz extrem haben Günter und ich dieses Phänomen vor zwei Jahren in Shanghai erlebt. Du gehst die Nan- jingroad, die Glitzerstraße Shanghais mit all den Läden, die du auch in London, Paris oder New York findest entlang, biegst hinter der Bank of China mit ihrer Fassade aus Marmor und Glas in eine Seitengasse und fühlst dich in eine andere Welt versetzt. Die Häuser in dieser Gasse haben kein fließendes Wasser. Ihre Bewohner müssen zum Was- serholen, zum Waschen und Kochen auf die Gasse. Dort befindet sich für jedes Haus ein alter Gasofen und ein offe- ner Wasserhahn. Über die etwa 2 Meter breite Gasse sind Leinen gespannt auf der die Wäsche hängt aber auch der Fisch zum Trocknen.

Wenn wir noch einmal auf unsere Projektion schauen, und die Regionen die unter den Umrissen Chinas liegen ge- nauer ansehen, dann finden wir dort, in und um Europa eine viel klarere Verteilung des Entwicklungsstandes. Die entwickelten Bereiche liegen etwa im Zentrum Europas, der Entwicklungsstand fällt zu den Rändern nach Südosten hin ab. Dabei brauchen wir nicht in die Ukraine, oder nach Ägypten zu gehen, wir können auch innerhalb der EU bleiben und in den Osten bis Rumänien und Bulgarien gehen um ein deutliches Gefälle zu bemerken.

Eine solche Entwicklungsgefälle läßt sich auch innerhalb China feststellen, hier aber genau in anderer Richtung, von Ost nach West. Wenn es bei weitem nicht so extrem ausfällt wie in Europa, dann liegt das einerseits daran, daß auch das entwickelte China noch nicht den Stand der anderen entwickelten Staaten erreicht hat, andererseits aber auch daran, daß das weniger entwickelte China immer noch weiter entwickelt ist als die unterentwickelten Regionen Ägyptens, Algeriens oder Georgiens, die allesamt noch unter unserer China-Projektion liegen.

Warum sind aber die Bereiche unterschiedlichen Entwicklungsstandes in China nicht so klar voneinander abgegrenzt wie in Europa, warum sind die Grenzen hier fließend und durchbrochen?
Das liegt vor allem daran, daß in Europa die Entwicklung in engen nationalstaatlichen Grenzen stattgefunden hat. Und diese Grenzen bis heute eine Vermischung des niedrigen Entwicklungsstandes zum Beispiel der Ukraine mit dem hohen Entwicklungsstand zum Beispiel Frankreichs verhindern.

Genau darin bestand die Idee Deng Xiaopings mit der Schaffung von Wirtschaftssonderzonen. Vom übrigen China abgekoppelte Regionen, etwa von der Größe eines der kleineren deutschen Bundesländer, fast wie eigenständige Nationalstaaten, mit eigenen Gesetzen, die auch die Privatinitiative zuließen, und miteinander konkurrierten. Vor allem die asiatischen Auslandschinesen sind auf diese Idee sofort angesprungen und haben begonnen Millionen in ihre Heimatregionen um Kanton zu investieren.

Das ist gar nicht so lange her. 1978 hat Deng diese Öffnungspolitik auf einem Parteitag der KPCh durchgesetzt. Vor 20 Jahren war von einer Entwicklung hier in Xinjiang, aber auch in anderen Regionen, letztlich in Peking selbst noch nicht viel zu spüren. Mittlerweile, so könnte man sagen, ist ganz China eine Wirtschaftssonderzone und der äußerste Westen hat nicht zuletzt wegen des Reichtums an Bodenschätzen erheblichen Anteil daran.
Vor allem die rege Bautätigkeit hier im Westen Chinas fällt auf. Eisenbahnlinien, Straßen und Autobahnen aber auch ganze Ortschaften werden aus dem Boden gestampft.

Von der Straße durch die Wüste habe ich ja bereits erzählt. Aber in Cong`s digitalem Straßenatlas von China ist bereits eine Autobahn eingezeichnet, die etwa 150 Kilometer westlich unserer Straße verläuft. Die Software, die auf Cong`s Laptop läuft, schließt eine Hotline mit ein. Über die erfährt er per Handy, daß die Wüstenautobahn leider erst 2010 fertiggestellt sein wird. Übrigens, wenn Cong mit seinem Laptop ins Internet geht, erhält er für seine Straßenkarte auch gleich den aktuelle Wetterbericht, die Wettervorhersage und kann sich über Baustellen informieren.

Beim Verlassen Turfans in Richtung Dunhuang sehen wir uns so einen neuen Stadtbezirk etwas genauer an.
Es handelt sich um sechsstöckige Wohnhäuser mit je 5 Hauseingängen und wahrscheinlich nicht weniger als 60 Wohnungen. Es gibt sie in verschiedenen Variationen mit jeweils fünf bis sechs Häusern. In der Mitte dieser Wohn- anlage befindet sich ein künstlicher See, groß genug für ein paar Tretboote, die schon am Anlegeplatz festgemacht haben aber noch gut verpackt sind.

Ein Teil des Sees ist abgegrenzt, für die Boote unzugänglich. Hier wachsen Seerosen und ich denke es werden bald dicke Goldkarpfen den See hier bevölkern. Um den See herum gibt es Liegeplätze mit Holzplanken belegt. Außer dem See gibt es noch ein Schwimmbad, ein Beachvolleyballplatz und ein Basketballplatz.
Wer, wann hier einzieht wissen wir nicht. Wahrscheinlich nicht die Bauern aus ihren Lehmhütten. Aber wer auch immer hier einzieht, der macht andere Wohnungen frei, die dann neu bezogen werden können.

Wie in anderen Städten fährt man auch in Turfan bevor man das Stadtgebiet erreicht durch Wohngebiete deren Bewohnern man es wünschen kann diese Quartiere möglichst bald verlassen zu können. Die Lehmhütten der Bauern weiter draußen wirken gegen diese Plattenbauruinen wirklich romantisch. Die Straßen in diesen Bezirken sind Schlaglochpisten und Vorsicht: Wenn irgendwo ein Kanaldeckel fehlt, kann es sein daß man ihn mit einem kleinen Baum der aus dem Loch ragt, gekennzeichnet hat. Kann aber ebensogut sein, daß er nicht gekennzeichnet ist. Hier denkt keiner mehr an Renovierung, außer vielleicht mit der Abrißbirne.

Zurück auf der Landstraße, die in unseren Karten schon als Autobahn eingetragen ist, obwohl die zweite Spur noch im Bau ist, kommt sofort eine Zahlstelle.
Die Straße, die uns erwartet, wird in absehbarer Zeit die eine Spur der Autobahn. Noch ist sie zweispurig mit Gegen- verkehr, aber wirklich gut.

Diese Straße verläuft auf einem Damm von etwa 2 bis 3 Metern Höhe, schnurgerade von Horizont zu Horizont. Es gibt neben der Fahrbahn einen Standstreifen, der etwa die Hälfte der Breite einer Spur hat, danach fällt der Damm sofort auf Wüstenniveau ab. Leitplanken gibt es nicht. Warum hat man die Straße so hoch gelegt?
Den Grund haben wir vor 20 Jahren selbst erfahren. Wenn es im Tianschan Gebirge, Nördlich von uns regnet, dann kommt eine Flut- welle in die Wüste geschossen, ohne, daß man selbst ein Wölkchen gesehen hat. Unser Bus wurde damals von so einer Welle mal eben einhundert Meter von der Straße in die Wüste versetzt.
Um das zu verhindern, wurde die Straße auf einen Damm verlegt, der alle 100 Meter eine breite Unterführung für diese Wassermassen hat.

Jetzt ist es aber so, daß hier im Norden der Taklamakan die gleichen Windverhältnisse herrschen wie ich sie bereits im Süden geschildert habe. Anders ist nur, der Sand hier ist schwerer und wird nicht so leicht hochgewirbelt und über die Straße getrieben. Der Wind weht weniger konstant, sondern in teils heftigen Böen. Da heißt es: beide Hände am Steuer. Was mit den überlangen Sattelzügen geschehen kann, wenn der Fahrer mal nicht voll konzentriert ist, habe ich mit einem Foto dokumentiert. In diesem Fall liegt der Fahrer im Krankenhaus, sein Beifahrer wartet auf das Bergungsgerät. Wir geben ihm zwei Flaschen Wasser, mehr können wir nicht für ihn tun.

Die Straße führt in endlos langen Steigungen an den Südhängen des Tianshangebirges die Höhe. Immer wieder begegnen uns Transporte in Überbreite und Überlänge. LKWs die mit Teilen für Industrieanlagen nach Westen unterwegs sind. Um die langen Steigungsstrecken überwinden zu können wird die Zugmaschine von einem LKW der den ganzen Verband von hinten schiebt unterstützt, oder, wie auf dem Foto, es werden gleich zwei Zugmaschinen angespannt.
Die Größe dieses Verbandes ist gut abzuschätzen, wenn man sie mit unserem Bus vergleicht, der hinter dem hinteren Auflieger auf der Gegenspur zu erkennen ist.

Wir fahren Richtung Osten wieder in die Wüste hinein. Das Tianshan verabschiedet sich grandios mit den Bergriesen des Karlikmassivs dessen Gipfel in 5000 Metern Höhe im ewigen Eis liegen. Dann hat uns die Wüste wieder. Genaugenommen sind es jetzt zwei berühmte Wüsten, die sich hier übergangslos zum größten Wüstengebiet der Erde vereinen: Die Taklamakan im Westen und die Gobi Osten.

Bei der Stadt Liuyuan verlassen wir die direkte West-Ost-Achse nach Peking und biegen kurz hinter der Provinzgrenze nach Gansu in Richtung Dunhuang ab.
Hier befindet sich eine der wichtigsten Sehenswürdigkeit des Buddhismusin China, die Mogao Grotten. Auf 4500 Quadratmetern Fläche haben Mönche seit dem 4. Jahrhundert Grotten in den Fels gehauen und mit Wandmalereien und Buddhastatuen ausgeschmückt. Besonders interessant ist, daß an den Wänden und als Statue immer wieder Figuren dargestellt werden, die anderen Glaubensrichtungen entlehnt sind.
Manichäische, Nestorianische Symbolik neben Buddhistischen Mönchen geben einen Eindruck von der multikultu- rellen Prägung der Seidenstraßenkultur.

Wir stellen zunächst einmal fest: Die Straßen in Gansu sind schlechter als die in Xinjiang. Zumindest gilt das zunächst für die Nebenstraße nach Dunhuang. Warum ist die Straße in diese berühmte Stadt so schlecht, wenn doch so viele chinesische Touristen hier anreisen?

Der Grund wird erst klar wenn man die Stadt erreicht. Weder auf unserer Karte, noch im Reiseführer finden wir die Information, daß Dunhuang jetzt einen Eisenbahnanschluß mit Kopfbahnhof und einen Flugplatz für moderne Jets hat. Romantik und beschauliche Stille wird uns hier nicht erwarten.

Bereits bei der Einfahrt in die Stadt finden wir eine neue Variante der Werbung, die uns bisher nicht begegnet ist. Auf Plakatflächen die an Stahlkonstruktionen über die Straße errichtet sind werben im Abstand von 50 Metern die chinesische Telekom und andere bekannte chinesische Firmen.

Ein billiges Hotel ist schnell gefunden, das Auto auf dem bewachten Parkplatz abgestellt und wir gehen auf den im Reiseführer angepriesenen Nachtmarkt.

Wer schon einmal so einen Nachtmarkt in China besucht hat, fühlt sich bei diesem hier an deutsche Weihnachtsmärkte erinnert. Jeder Marktstand entspricht exakt dem anderen und alle sind ordentlich in Reihe angeordnet. Es fehlt vollkommen das Chinesische Durcheinander. Es gibt überall nur den üblichen Ramsch für Touristen zu kaufen. Kein Nachtmarkt der uns interessieren kann.

Aber das Essen. Hier geht es wieder ganz chinesisch zu. Cong zeigt uns, was chinesisches Essen wirklich ist. Wir sind begeistert. Was er so herbeizaubert von den verschiedenen Ständen des Marktes ist unglaublich. Dabei mischt er überall ein wenig mit. Läuft zu dem Stand, guckt in den Topf, gibt hiervon was dazu, rührt um und läuft zum Nächsten. Nacheinander bekommen wir von einigen Ständen Gerichte herangereicht, die allesamt gut schmecken und, so sagt Cong jedenfalls, der Tageszeit, der Jahreszeit und dem Anlaß entsprechen.
So tief will ich mich aber nicht in die chinesische Küche hineinsteigern. Mir reicht es, daß es schmeckt. Günter und ich essen beide gerne, aber das Essen ist normalerweise kein Thema. Daß wir uns noch Stunden später darüber unterhalten wie gut das eine war und was wohl in dem anderen gewesen sein mag, hat es noch nie gegeben. Von Abnehmen redet jedenfalls vorerst keiner mehr von uns.

 

Montag 09.07.2007

Vorschau

Vorschau

Dunhuang

Am nächsten Morgen fahren wir raus zu den Grotten. Scharen von chinesischen Touristen tun das Gleiche.
Ich weiß nicht, was ich erwartet hatte, vielleicht ein wenig mehr Ruhe und Beschaulichkeit, aber diese Sehenswürdigkeit ist kein Ort wo Mönche und Pilger sich die Hand geben, sondern eben eine Sehenswürdigkeit. Nicht anders als Pompei oder die Niagarafälle. Wenn man das einmal realisiert und akzeptiert hat, kommt man bei der Betrachtung der Grotten durchaus auf seine Kosten. Grotten mit bis zu 7 Meter hohen Buddhastatuen sind beeindruckend, auch wenn es keine Führung in Deutsch gibt.

Fotografieren ist übrigens streng verboten. Fotoapparate müssen vor Betreten der Grotten abgegeben werden. Darunter leidet Günter sichtlich.

Bei der Fahrt zurück in unser Hotel kündigt sich bereits an, was uns am heutigen Nachmittag bevorsteht: Sandsturm. Zurück im Hotel ergattere ich mir einen Platz an Computer, fange gerade an mich einzuloggen, da fliegen die Hoteltüren auf und kreischend stürmen Menschen herein. Nicht panisch, sondern lachend. Dann fällt der Strom aus. Draußen ist alles Gelb. Keine Häuser, keine Autos mehr zu sehen und der Sturm zerrt an Türen und Fenstern.
Zwei Stunden später hat sich alles so weit beruhigt, daß Günter und ich auf die Straße gehen und ein paar Fotos machen.

 

Dienstag 10.07.2007

Vorschau

Vorschau

Vorschau

Vorschau

Dunhuang - Jiayuguan - Zhangye

Da wir schon mal hier sind, wollen wir vor unserer Abreise auch die singenden Dünen und den Mondsichelsee sehen.

Wir fahren zu den entsprechenden Parkplätzen, machen mit dem Wächter aus, daß wir nichts bezahlen müssen, wenn wir innerhalb der nächsten 10 Minuten zurückkommen.
Mehr brauchen wir auch nicht um zu erkennen, daß das hier so etwas wie bei uns Königswinter ist. Nur Rummel. Mit Kamelen, mit Jeeps, auf Quads oder zu Fuß kann man auf die singenden Dünen oder zum Mondsichelsee kom- men, muß aber ohne die entsprechenden Tickets noch 40 Yuan Eintritt bezahlen. Da machen wir nicht mit.

Das ist mir zu hoch. Aber als der Parkwächter jetzt doch 15 Yuan haben will sehe ich Günter an. Der sagt jetzt nur: „wird das jetzt Peking 1988?“-„Genau das.“

Ich schließe Türe und Fenster, mache den Motor aus und warte. Cong hat seine Kappe bereits abgezogen und knüllt sie in seinen Händen. Der erste Reisebus kommt von Vorn und will auf den Platz. Der zweite und dritte folgt. Ich versperre die Einfahrt.
Dann geht die Schranke auf, ich starte den Motor und verlasse den Parkplatz. „Darüber wird Cong noch ein Weilchen nachdenken müssen.“ Sagt Günter. „Zeit genug hat er ja.“ Pflichte ich ihm bei.

Und weiter geht`s nach Jiayuguan. Da steht ein Fort, daß man heute als das Ende der Mauer nennt. Bis zu 30000 Soldaten sollen hier in der Mingzeit, 1350 bis 1644 stationiert gewesen sein. Aber bereits jetzt, lange bevor wir dieses Ende der Mauer erreichen, werden die Zeugnisse des Chinesischen Kaiserreiches in der Wüste immer zahlreicher. An vielen Orten sieht man Türme. Signaltürme werden sie genannt. Bereits in der Hanzeit, um Christi Geburt, gaben Wachmannschaften mit Flaggenzeichen die Ankunft feindlicher Truppen von einem dieser Türme zum nächsten bis in die Hauptstadt bekannt.

Etwa 100 Kilometer östlich von Dunhuang fahren wir wieder auf die Autobahn Richtung Osten auf. Autobahn ist überall gleich, man fährt nach zwei Stunden so im Tran vor sich hin aber ich staune dann doch nicht schlecht, als mir plötzlich ein LKW auf der Überholspur entgegen kommt. Problem ist, daß man keine Alternative zur bezahlten Autobahn gelassen hat. Neben der Autobahn hat sich so etwas wie eine Piste entwickelt und von Zeit zu Zeit gibt es dann eine wilde Auffahrt. Irgend so ein LKW wird dann die falsche Richtung genommen haben. Nicht weniger Überraschend war der alte Mann, der mit seinem Fahrrad auf der Überholspur unterwegs war.

Natürlich ist das Fort von Jiayuguan auch touristisch aufgearbeitet. Aber der Sandsturm von gestern Abend, der bis hierhin, immerhin 600Kilometer von Dunhuang entfernt, noch nicht ganz abgeklungen ist, ermöglicht uns eine ungestörte Besichtigung. In Jiayuguan beginnt auch die eigentliche chinesische Mauer. Kein Zweifel, wir sind jetzt im Kernland der chinesischen Zivilisation.

Unsere Reise endet für heute in Zhangye. Ein Hotel ist auch hier schnell gefunden, der übliche Hotelkomplex wo wir in der mittleren Klasse für 190Y pro Doppelzimmer mit Wc und Dusche inkl. western breakfats absteigen.

Übrigens: Wer einen Tippfehler findet, darf ihn behalten. Der Spruch ist zwar alt, aber nicht alles Alte ist schlecht :-)

 

|< < 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 >