Mittwoch 11.07.2007

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Obwohl der Text dieser Reisebeschreibung noch nicht in appetitliche Häppchen formatiert wurde, will ich ihn schon einmal in's Netz stellen. Auch die Bilder sind noch vom letzten Teil des Reiseberichtes. Gut Ding will eben Weile haben ;-)

Wir verlassen Zhangye in Richtung Xining

Zhangye ist eine mittelgroße Stadt. Es gibt ein paar buddhistische Sehenswürdigkeiten. Die mit 34 Metern größte liegende Buddhastatue um 1000 erbaut, in einer sehr schön renovierten Tempelanlage ausgestellt. Direkt am zentra- len Platz der Stadt steht eine 50 Meter hohe Pagode, aus der Mingzeit etwa 1500, die man auf steilen, innen liegen- den Stufen besteigen kann. Oben wird man mit einem Rundblick über die Stadt belohnt. Zhangye hat eine Mittelschule. Im Anschluß an diese können die guten Schüler sich in einer Prüfung für ein Universitätsstudium in Provinz bewerben. Die besten erhalten ein Stipendium für eine der renommierten Universitä- ten des Landes. Die Prüfungsergebnisse werden auf großen Plakatleinwänden von denen ich hier nur eine zeigen kann, bekanntgegeben. Wer in einer solchen Prüfung nicht gut genug abschneidet für ein Stipendium, der muß sein Studium selbst bezahlen, sofern sein Prüfungsergebnis überhaupt ein Studium zuläßt. Neben den staatlichen Universitäten gibt es private Uni- versitäten und private Schulen, die ebenfalls kostenpflichtig sind. Das Schulwesen bis zur Grundschule muß von den untersten Verwaltungseinheiten selbst getragen werden, weshalb ein einheitlicher Bildungsstand nach der Grundschule nicht gegeben ist. In Schanghai zum Beispiel fangen die klein- sten bereits mit Englisch an, auf dem Land wird sich das kaum machen lassen. Eltern und Kinder wissen, daß eine gute Ausbildung wesentlich für die Zukunft ist und entsprechend wird viel gelernt. Oft sieht man junge Ticketver- käufer, Servicekräfte in Hotels, oder Restaurants vor einem Lehrbuch sitzen, wenn ihre Zeit dies zuläßt. Lernen ist in der Chinesischen Tradition fest verankert. Das läßt sich bis in die Zeiten der Sagen und My- then zurückverfolgen. In der Chinesischen Mythologie gibt es weniger Heroen, die sich durch Kämpfe gegeneinan- der oder gegen irgendwelche Monster hervortaten, es hat sich den Chinesen auch kein Gott offenbart wie im alten Testament, vielmehr handelt es sich hier mehrheitlich um Gelehrte, die etwas erfanden und es die Menschen lehrten. Der Begriff Götter trifft weniger auf sie zu als Weise. Diese Weisen haben den Menschen beigebracht wie man Flüs- se reguliert, Feuer macht, Seide verarbeitet, die Felder bestellt und vor allem haben sie ihnen auch die Schrift beige- bracht. Die Schrift ist in den Augen der Chinesen ihr wichtigstes Kulturgut. Das gelernte in Prüfungen nachzuweisen, das so genannte Prüfungswesen, regelt in China seit fast 2000 Jah- ren die Durchlässigkeit der gesellschaftlichen Schichten. Es bot auch dem Kind eines Bauern, kleinen Grundbesitzers oder Handwerkers zumindest theoretisch die Möglichkeit in den höchsten Stand eines Hofbeamten vorzurücken. Natürlich ist es eine Kostenfrage, ob man es sich leisten kann, seinen Sohn, denn es waren immer nur die Männer, ein zwanzigjähriges Studium zu finanzieren. Da an so einem hohen Beamtenrang aber auch die Großfamilie erheb- lich partizipierte, haben sich nicht selten ganze Familien an den Kosten einer Ausbildung für ein begabtes Kind be- teiligt, sozusagen in den Prüfling investiert. Das Auswendiglernen, ist für die Chinesen ein nicht wegzudenkender Bestandteil ihrer Ausbildung. Die Große Zahl der Schriftzeichen, die man beherrschen muß um überhaupt erst einmal ein Buch lesen zu können, läßt keine Alternative zum pauken. Mit den rund 1200 Zeichen die auf der Grundschule vermittelt werden, kann man etwa 70% der Volkszeitung lesen. Mit 2700 Zeichen sind es dann 95% und wer etwa die häufigsten 3000 Zeichen kennt, kann sie komplett lesen. Ein geübter Leser wird keine Probleme haben, wenn er das ein oder andere Zeichen nicht kennen sollte. Viele Zei- chen lassen im Zusammenhang mit anderen Zeichen eine Deutung zu. Über einzelne Zeichen wird man gar ganz hinweglesen können. Ohnehin sind die Bedeutungen der Zeichen keineswegs so eindeutig, wie sie sich in einem Chinesischlehrbuch bei uns oft darstellen. Ihre wahre Bedeutung hat eine große Spannweite und ergibt sich häufig erst aus dem Kontext. Cong jedenfalls braucht sehr lange, wenn ich ihn bitte mir die Bedeutung eines Zeichens zu erklären, daß ich selbst bereits kenne. Keine Probleme hat er, wenn er einen Satz oder Werbespruch mit diesem Zeichen übersetzen soll. Chinesische Zeichen werden auch nicht gelesen. Chinesische Zeichen muß man erkennen. Genauso, wie wir Verkehrszeichen nicht lesen, sondern erkennen. Erkennen funktioniert intuitiv und geht viel schneller als lesen. Aber es verlangt eine feste Verankerung der Zeichen im Gehirn, sozusagen nicht im RAM sondern im ROM, die nur durch Lernen und ständiges Anwenden erreicht wird. Dabei lernen die Kinder schon sehr früh, manche sogar vom ersten Schultag an, ihre Sprache in der Pinyin-Umschrift in unseren Buchstaben zu schreiben. Das ist dringend erforderlich um mit den modernen Technologien, wie Com- puter und Handy, umgehen zu können. So können die Kids in China genauso schnell eine SMS schreiben wie unsere Jugendliche, obwohl sie dafür zwei Schriftsysteme brauchen. Sie geben die Zeichen in der offiziellen Umschrift, in unseren Buchstaben ein und empfan- gen auf ihren Display chinesische Schriftzeichen. Schluß mit Schule und Lernen. Am Nachmittag brechen wir auf in Richtung Xining. Gestern, bei dem Sandsturm, ist ein Baum in einem Topf umgekippt, ganz knapp an unserem Auto vorbei, hat dabei aber den rechten Seitenspiegel völlig verstellt und im Gelenk gelockert. Heute, als wir den Schaden beheben wollen, ist er uns abge- brochen. Günter ist begeistert, sobald er auf dem Beifahrersitz Platz genommen hat. Endlich kann er ohne immer den Seiten- spiegel im Bild aus dem Fenster hinaus fotografieren. Beide stellen wir beim Fahren fest, diesen Spiegel brauchen wir hier in China gar nicht. Wenn ich die Spur nach rechts wechseln will, blinke ich und fahre einfach los, wie ich das seit dem Iran nicht anders mache. Ist einer hinter mir, dann hupt er. Hupt niemand, ist auch keiner hinter mir. So einfach ist das. Ich glaube die Umgewöhnung in Deutschland wird hart. Die Wüste haben wir jetzt hinter uns. Nicht endgültig, wir werden später noch die Wüste Gobi durchqueren, wenn wir China in Richtung Norden verlassen. Aber vorerst ist es grün. Und leider auch naß. Wir machen einen Abstecher zu den Hufeisengrotten. Woher der Name kommt ist nicht klar. Jedenfalls haben hier Mönche im 6. Jahrhundert Klöster und Mönchsklausen in den Fels gehauen. Die Klöster waren in der Regel über Außentreppen zu erreichen, die einzelnen Mönchsklausen können durch in den Fels hineingehauene Höhlengänge erreicht werden. Mönche sieht man hier nicht mehr und es wird wohl nicht lange dauern, bis diese Klöster zur Touri- stenattraktion umgebaut werden. Wir müssen weiter. Um nicht immer auf der Autobahn zu fahren haben wir uns für den nach Karte direkten Weg entschlossen. Unsere Erfahrungen mit den Straßen in China haben die erste Euphorie in Xinjiang nicht lange über- dauert. Autobahnen und Hauptlandstraßen sind nach wie vor gut. Aber auf den Nebenstrecken über Land muß man auf alles gefaßt sein. Eine weitere Erfahrung haben wir auch jetzt erst gemacht, China besteht zu einem großen Teil aus Wüste, zu einem nicht geringeren Teil aus Gebirge. Auch daß weiß ich theoretisch, aber jetzt, wo ich diese Er- fahrung selbst mache, bin ich doch erstaunt darüber. Wir sind schnell wieder auf Pässen über 3000 Meter. Die ersten beiden bei 3180 und 3310 entnehmen wir unserem GPS. Dazwischen geht es wieder in die Täler hinab. Hier wird großflächig Raps zur Ölgewinnung angebaut. Jetzt, zur Blütezeit, haben Imker ihre Bienenkörbe an den Rand der Felder aufgestellt. Den Honig kann man selbstver- ständlich direkt bei ihnen kaufen. Und schon geht es wieder bergauf. Zum Glück sind die Straßen hier gut, aber bis in die Höhen ohne Leitplanken oder andere Randbegrenzung. Und dann staunen wir nicht schlecht, als wir auf die ersten tibetischen Nomaden mit ihren Yaks stoßen. Ich glaube aber das Staunen beruhte auf Gegenseitigkeit. Unser Auto erregt überall, wo wir ste- henbleiben, reges Interesse. Tibetische Yaks, also die richtigen Hochlandyaks und nicht die Mischlinge aus Yak und Hausrind, leben nur in großen Höhen. „ Wie hoch sind wir hier eigentlich,“ frage ich Günter. Der schaltet das GPS an und nach wenigen Minuten wissen wir, daß wir schon wieder 3580 Meter hoch sind. Hoch genug für Yaks. Die Hänge der Berge sind voller heller Punkte, große Schafherden. Reiter galoppieren hinter den versprengten Tieren her, Große Hunde knurren uns von der Straßenseite an. Ein Zeltrestaurant lädt zum Essen ein. Aber leider ist das kein Restaurant, sondern ein Supermarkt. Wir fahren wei- ter. Es geht wieder steil nach oben. Beim nächsten Pass gibt eine Schild die aktuelle Passhöhe an: 3767 Meter. Aber es geht noch höher. Stephans GPS zeigt 3810 Meter als ein Erdrutsch der kürzlich hier stattgefunden hat unsere Weiterfahrt beendet. Cong geht über die Baustelle und diskutiert mit den Arbeitern, worüber weiß ich nicht, die Sachlage ist klar: Hier ist für uns Schluß. Schließlich sehe ich, wie ein Arbeiter Cong die Schaufel in die Hand drückt. Alles lacht, nur Cong blickt ratlos. Günter wendet auf engstem Raum, ohne Servolenkung. Nicht schlecht. Der alte Pass ist nicht mehr zu befahren. Die Chinesen haben die Angewohnheit Teile der alten Pässe in die neuen Straßen einzubeziehen, ohne Auffahrten und Abfahrten zu den alten Pässen einzurichten. Zu Pferd oder mit dem Eselskarren kann man sie noch erreichen, nicht aber mit unserem Auto. Wir müssen umkehren und einen weiten Umweg von rund 200 Kilometern auf uns nehmen. Schließlich erreichen wir ein Straße, die uns durch ein Tal auf Umwegen zur Hauptstraße zurückführt. Aber es ist dunkel geworden, und wir beschließen diese Nacht im Auto zu verbringen. Auf einem organisierten Zeltplatz für Wanderer und Wochenendausflügler finden wir einen Standplatz und noch etwas warmes zu essen.

 

Sonntag 12.07.2007

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Durch Xining zum Kloster Taersi

Heute sind wir sehr früh aufgestanden. Es hat die ganze Nacht wie aus Eimern geschüttet und ich wollte so schnell wie möglich den Parkplatz der über Nacht zum Schlammparkplatz verlassen und auf festen Untergrund kommen. Schade, daß es nicht so richtig hell wird. Schöne Fotos von dieser alpinen Landschaft kann man nicht machen. Aller- dings hält bleibt das Tal nicht lange so unberührt. Bald schon beginnen Staustufen zur Stromgewinnung das kleine Tal zu entzaubern. Etwa alle 10 Kilometer steht so eine Staustufe und es werden weitere gebaut. Weniger diese Staustufen, als der Straßenbau, der zum Bau solcher Stufen notwendig ist, um den LKW Verkehr bis hier hinauf zu ermöglichen verschandelt die Landschaft. Aber schließlich sind die Wasserkraftwerke, wenn sie ein- mal stehen, weitaus Umweltverträglicher als Kohlekraftwerke chinesischer Bauart. Der Regen macht uns trübsinnig. Das wird noch verstärkt durch die Industriestädtchen die wir jetzt im Dauerregen passieren. Schmutzige Straßen oder besser keine Straßen, nur Lehmwege mit Schlaglöchern und Pfützen in denen dunkles Wasser steht. Keine Bürgersteige, keine Häuser sondern Hütten oder Ruinen von Hütten, in denen tatsäch- lich Leute leben. Dazwischen Schwerkraftverkehr durch Baumaschinen, LKWs und Busse. Eine undefinierbare In- dustrieanlage deren Schornstein schwarzen Ruß in den Regen hinausstößt, der durch die Wetterlage sofort gen Bo- den gedrückt wird. Trotzdem macht eine Frau ihren Laden auf und beginnt vor der Türe zu putzen. Unfassbar. Trotzdem gehen Kinder mit bunten Regenschirmen durch die Straßen, springen über Pfützen lachen über unser seltsames Gefährt. Wir sind etwas bedrückt und auch Cong aus Peking, der in den letzten Tagen immer mal wieder über die ihm unbe- kannte Schönheit der Landschaft Chinas erstaunt war, ist sehr ruhig. Jetzt fahren wir doch auf die Autobahn. Nachdem wir die Straßengebühr entrichtet haben rollen wir mit 110 über den Asphalt. Die Autobahn ist sozusagen exterritoriales Gebiet. Hier fühlen wir uns geborgen und Zuhause. Häßliche Industrieruinen in der Nähe fliegen vorbei ohne bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Es bleiben die Berge mit ihren hohen Felswänden aus Sandstein und ihren zahlreichen buddhistischen Tempelchen und Pagoden im Hintergrund, die sich in unser Gedächtnis einprägen. Wir sind immer noch auf dem Weg nach Xining. Diese Stadt liegt auf der Strecke der Tibeteisenbahn von Peking nach Lhasa. Günter weiß zwar, daß eine neue Trasse im Bau ist, um die Strecke durchgehend zweispurig auszubauen, aber wir sind erstaunt, als wir feststellen, daß die neue Trasse gleich zweispurig und in verkürzter Strek- kenführung, mit weniger Kurven und mehr Tunnels, gebaut wird. Bis wir dann auf einem Werbeplakat lesen, daß in Zukunft der Chinesische Hochgeschwindigkeitszug zweispurig nach Tibet fährt. Die alte Trasse wird dann wohl den Güterverkehr übernehmen. Ihr Ausbau nach Kathmandu ist ebenfalls schon beschlossene Sache. Xinig hat sich in den letzten Jahren zu einer Metropole gewandelt deren Skyline wohl mit Shanghai konkurrieren will. Auf der Durchfahrt stoßen wir aber auch hier immer wieder auf Plattenbauruinen, an denen keiner mehr etwas renoviert. Hier wird abgerissen. Wir werfen einen Blick in das Kloster Taersi kurz hinter Xinig. Hier begegnen wir den ersten tibetischen Pilgern, aber es überwiegen chinesische Touristen. Wer hier übernachten will, kann das im Kloster selbst tun. Es gibt einige billige aber sehr sehr einfache Dreibettzimmer, ohne WC, Waschgelegenheit oder Stromanschluß, die mit umgerech- net 1€ pro Nacht und Bett vermietet werden. Vorzugsweise an Pilger. Gegen 20:30 wird die gesamte Klosteranlage für Touristen geschlossen, es ist dann nicht mehr möglich das Gelände zu verlassen. Jetzt können Mönche und Gäste des Klosters ungestört und ohne Eintritt zu bezahlen im gesamten Kloster umherwandern. Aber Achtung: Es gibt nach 20:30 nichts mehr zu Essen auf dem ganzen Gelände. Wir lehnen das Angebot der Mönche dankend ab und fahren weiter. Zurück nach Xining, dann 150 Kilometer Autobahn in Richtung Lanzhou und wir fahren ab nach Yongjing. Hier wurde der Gelbe Fluss zur Stromgewinnung aufgestaut. Es entstand ein riesiger Stausee, das Liujiaxia-Reservoir. Natürlich geht es wieder ins Gebirge. Viele der Dörfer hier in den Bergen haben eine Moschee. Die Menschen auf den Straßen tragen weiße Kopfbedeckungen. Schon im nächsten Dorf steht eine buddhistische Stupa mit Gebets- fähnchen geschmückt. Manchmal stehen buddhistischer Tempel und Moschee in einem Dorf. Dieses friedliche Ne- beneinander hatte ich nicht erwartet. Gerade der Islam hat dem Buddhismus in China ebenso wie dem Hinduismus in Indien immer wieder hart zugesetzt. Jetzt ist hier davon nichts zu spüren. Es ist bereits dunkel als wir in Yongjing am gelben Fluß ankommen und ein Hotel finden. Fürs Essen ist es aber scheinbar nie zu spät in China. Irgendwo findet sich immer noch einer der zu später Stunde den Wok anschmeißt und unter Congs strengen Augen noch auf den Tisch zaubert.

 

Übrigens: Wer einen Tippfehler findet, darf ihn behalten. Der Spruch ist zwar alt, aber nicht alles Alte ist schlecht :-)

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