Tankwagen in der Steppe


LKW-Fahrer mit Familie


Orientierung in der Wüste

Renaissance der Seidenstraße

Am Ende des zweiten Weltkrieges taucht die Seidenstraße aus ihrem Dornröschenschlaf auf. Es ist zunächst nicht der Transport von Waren sondern der Anbau von Baumwolle und vor allem die Förderung fossiler Energieträger, die ihr die Rückkehr in das Rampenlicht des Weltinteresses bescherte. Erdöl und Erdgas finden sich reichlich in den Wüsten und Steppen. Dies sind die Brennstoffe die die Weltwirtschaft in Gang halten. Und wieder wird um den Einfluss auf der Seidenstraße gerungen.

Nach dem Ende des Kalten Krieges scheint sich die Seidenstraße wieder auf ihre ursprüngliche Bedeutung zu besinnen: als Transportweg für Güter und Menschen. Auslöser ist der Engpass in der Transportkapazität zwischen China und Europa. Zwei Ursachen sind es im Wesentlichen durch die es zu dieser Situation kommt:

• Die nachhaltige Verlagerung der Produktionsstätten innerhalb Chinas von den Küstenregionen in das westlicher gelegene Zentralchina in Richtung auf die Seidenstraßenregion.

• Der aktuelle Mangel an ausreichender Transportkapazität im Seehandel.

Trotz Ausbau innerchinesischer Transportwege sowie zahlreicher Schiffsneubauten und weltweiter Erweiterung der Seehäfen wird dieser Engpass nur langfristig zu lösen sein.

Um zu verhindern dass der Gütertransport zwischen Asien und Europa nicht versiegt und die Kosten im überschaubaren Rahmen bleiben, haben sich 28 Nationen der Region einschließlich Korea , Indien und Indochina mit Unterstützung der Vereinten Nationen entschlossen, ein Schienenetz von 100000 km Länge durch Zentralasien aufzubauen. Teilweise soll dies durch Gleisneubauten und durch die Verbindung bestehender Schienennetze geschehen.

Diese `Eiserne Seidenstraße` ist Mehdorns Lieblingsprojekt. Am 20. November 2006 wurden zwischen den Bahngesellschaften von China, Russland und Deutschland Vereinbarungen über die Verbindung ihrer Schienennetze getroffen. Dies war Geburtsstunde der Vernetzung der größten Landmassen der Erde im eurasischen Verkehrsverbund. Von Shanghai bis Berlin und von Rotterdam bis Peking sollen in Kürze durchgehende Gütertransporte rollen. Die Bahn braucht für die Route quer durch den eurasischen Kontinent weniger als ein Drittel der Zeit, die für einen Transport mit dem Schiff benötigt wird. Bereits ab 2008 soll einmal wöchentlich ein Güterzug von Shanghai nach Hamburg rollen. Ab 2010 soll diese Verbindung täglich gefahren werden und zahlreiche andere folgen.

Gleichzeitig sollen die Fernstraßenverbindungen ausgebaut und Grenzübergänge geöffnet werden. China ist hier ein Vorreiter durch die Neueröffnung von Grenzübergängen nach Indien und in die Länder Zentralasiens. Die EU flankiert diese Entwicklung. Im Rahmen ihres überregionalen Programms TRACECA (TRAnsport Corridor Europe Caucasus Asia). Im Rahmen dieses Programms entsteht ein moderner, 14 Länderübergreifender Transportkorridor mit Serviceorientierten Logistik- und Handelsknotenpunkten. Federführend wird dieses Projekt von der Daimler-Tochter Dornier Consulting im Auftrag der Europäischen Kommission durchgeführt. Auch Russland plant sein transasiatisches Straßennetz, durch Kasachstan in die Großstädte Skandinaviens auszubauen. Diese Vorhaben werden den Ländern der Seidenstraße einen deutlichen Impuls für verstärkte wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung geben.